Für Menschen, die an einer ehrenamtlichen Patenschaft interessiert sind

In unserer Gesellschaft gibt es viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in einem privaten, familiären Umfeld, sondern in öffentlich organisierten Wohngruppen leben. Aus dieser großen Gruppen nehmen wir, der Kölner Kreidekreis, uns insbesondere der Jüngeren an: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe leben.

In diesen „Heimen“ werden sie in der Regel gut versorgt, gefördert und betreut. Manche der jungen Bewohner werden regelmäßig von Eltern, Großeltern oder anderen Verwandten besucht. Andere dagegen haben kaum oder gar keine regelmäßigen, vertrauensvollen Beziehungen zu Menschen außerhalb ihrer Wohngruppe – die professionellen Betreuer*innen einmal nicht mitgerechnet.

Kinder brauchen aber erwachsene Ansprechpartner, die Zeit für sie haben, die sie ernst nehmen und über viele Jahre kontinuierlich für sie da sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heime und Ämter können dies allein nicht im nötigen Umfang leisten. Das ist selbstverständlich kein Vorwurf, sondern ein Befund, dem im Prinzip niemand widerspricht.

Wir möchten diese Bedarfslücke ein Stück weit schließen. Dafür suchen wir ehrenamtliche Wegbegleiter-Patinnen und -Paten, die den Heimkindern Rückhalt geben, ihr Selbstbewusstsein stärken und sie in ihren Fähigkeiten fördern. Der Lebensmittelpunkt dieser Kinder ist und bleibt auch auf Dauer das Heim – dies sollen die Patinnen und Paten wissen und akzeptieren. Es wird auch langfristig keine Pflege oder gar Adoption angestrebt. Der Wegbegleiter ist bewusst eine Person außerhalb der Strukturen der Jugendhilfe, der über alle Wechsel und Umbrüche hinweg langfristig für den jungen Mensch da ist. 

Wie sieht eine Wegbegleiter-Patenschaft konkret aus – bei Kindern und Jugendlichen?

Die Patenschaft lebt von regelmäßigen Treffen (etwa im 2-Wochen-Takt) und gemeinsamen Unternehmungen, die beiden Seiten Freude machen. So kann sich gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufbauen. Der Wegbegleiter soll seinem Patenkind Unterstützung dort bieten, wo es diese gerade braucht und sich wünscht. Dazu kann gehören, Interessen und Begabungen gemeinsam zu erschließen, Unterstützung beim Lernen zu leisten oder daran zu arbeiten, Defizite auszugleichen. Ein ganz wesentlicher Bestandteil ist der gemeinsam gelebte Alltag: So ist es für die Kinder und Jugendlichen oft mit am schönsten, wenn man einfach zusammen kocht, spielt oder auch mal gemeinsam einen Film schaut. Wenn die Patenkinder die Möglichkeit haben, bei ihren Wegbegleitern zu übernachten, ist das ein ganz besonderes Highlight.

Patenschaften für junge Erwachsene, insbesondere Careleaver

Ältere Jugendliche und junge Erwachsene, die ihre Wohngruppe bald verlassen müssen oder gerade verlassen haben, stehen vor etwas anderen Herausforderungen. Sie können sich beim Weg in die Selbstständigkeit, bei der Gründung eines eigenen Haushalts oder bei der Jobsuche, nicht auf den Rückhalt einer Familie oder anderer Vertrauensmenschen stützen. Die Strukturen der Jugendhilfe haben den jungen Menschen viele Jahre lang Halt gegeben; wenn sie aber die Wohngruppe verlassen, sind sie beim Aufbau eines Lebens in Eigenverantwortung weitgehend auf sich gestellt.

Wer eine Patenschaft für diese sogenannten „Careleaver“ übernimmt, sollte ihnen vorrangig ein zugewandter Gesprächspartner sein und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen: zum Beispiel bei der Wohnungseinrichtung oder der Jobsuche helfen, mit ihnen Anträge durchackern. Vielfach reicht es auch schon, den Careleavern ein Vorbild zu sein, an dem sie ihre Lebensgestaltung orientieren können.

Das Wesentliche in einem Satz: Die Patenschaft soll beide Seiten bereichern!

Wie kommen die Patenschaften zustande?

Der Kölner Kreidekreis e.V. erhält über Kinderheime und Kinderhäuser Hinweise auf Kinder, Jugendliche und Careleaver, die sich eine Patenschaft wünschen oder brauchen. Menschen, die sich als Pate oder Patin engagieren möchten, wenden sich ebenfalls an den Verein. In gemeinsamen Gesprächen wird geklärt, wer zu wem passen könnte. Zwischen allen Parteien – den jungen Menschen, den Kinderheimen oder -häusern und dem Verein – ist eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit notwendig.

Anforderungen an die Paten und Patinnen

Wir suchen flexible, stabile und lebensbejahende Menschen, die Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben. Sie sollten Engagement und Verantwortung für diese Kinder mitbringen. Für die jungen Menschen ist Kontinuität von großer Bedeutung. Deshalb sollen die Wegbegleiter-Patenschaften nicht befristet sein.

Unser Vorgehen / Was wir von Ihnen erwarten

Haben Sie Interesse? Auf dem Weg zur Wegbegleiter-Patenschaft gehen wir folgende Schritte:

  • Sie melden sich bei uns.
  • Sie erhalten von uns einen Fragebogen, in dem Sie von Ihren Hobbys und Vorstellungen erzählen.
  • Wir vereinbaren einen Termin für einen Hausbesuch bei Ihnen.
  • Sie werden zu unserem zweitägigen Einstiegsseminar eingeladen.
  • Sie reichen ein polizeiliches Führungszeugnis bei uns ein.
  • Nun beginnt für Sie die Zeit, in der wir nach einem passenden Patenkind suchen. Das kann schnell gehen, kann aber auch einige Monate dauern.
  • Sie erhalten den Fragebogen des Kindes, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen und können prüfen, ob Sie sich das vorstellen können.
  • Sie lernen, begleitet von Verein und ggf. Bezugserzieher, den jungen Menschen in der Einrichtung oder, je nach Alter und Lebensumständen des Patenkindes, an einem anderen Ort kennen.
  • In einer „Probezeit“ lernen Sie sich besser kennen, eng begleitet von Verein und Erziehern.
  • Wenn Ihr Patenkind, die Erzieher und Sie gleichermaßen der Meinung sind, dass das gut passt, gibt es eine offizielle „Begründungsfeier“. Nun ist die Patenschaft offiziell. Ihr Patenkind rechnet fest mit Ihnen!
  • Regelmäßige Themenabende und Workshops, Newsletter aus dem Verein und Patensprechstunden begleiten Sie durch Ihre Patenschaft.
  • 4 x im Jahr wird von unserem Supervisor ein Wegbegleiter-Fachgespräch angeboten. Mindestens 1 x im Jahr sollten Sie teilnehmen. Hier können Sie sich mit einer Psychologin und Sozialarbeiterin und mit anderen Paten über Fragen, Probleme und Entwicklungen austauschen.

Wie das Ganze in der Praxis aussehen kann, sehen Sie in unserem Imagefilm (auch auf unserer Startseite verlinkt).

Und hier schildert Wegbegleiter-Pate David seine Schritte auf dem Weg zur Patenschaft.