Archiv der Kategorie: Allgemein

AUSFLUG MIT PFERDEN

Reiten, striegeln, Hufeisen bemalen – und Ökosysteme im Glas selbst herstellen: Heimkinder verbringen mit ihren Wegbegleiter-Paten einen Tag mit Pferden

Ende Juni trafen sich etwa ein Dutzend Patenkinder und Paten unseres Vereins zu einem „Tag mit Pferden“ mit den Inhaberinnen Ursula Weishaupt und Thaїs Krings vom Therapiewerk Wermelskirchen. Dort lernten die Teilnehmer die Pferde kennen und machten sich beim Streicheln, Striegeln und Hufe-Auskratzen mit ihnen vertraut.

Beim anschließenden Spaziergang durchs Dorf, über die Felder und durch den Wald saßen manche Jugendlichen zunächst etwas unsicher im Sattel, andere waren schon „alte Hasen“, denen man ihre Reit-Erfahrung ansah. Die erwachsenen, ehrenamtlichen Wegbegleiter-Patinnen und -Paten liefen nebenher, führten die Pferde oder hielten die Hunde an der Leine.

Ausflug mit Pferden
Auf einer Pferdekoppel

Normalerweise treffen sich die Patenkinder, die außerhalb des Kinderheimes keinen zuverlässigen Familienanschluss mehr haben, mit ihren Paten etwa alle zwei Wochen im kleinen Kreis, um etwas Schönes zu unternehmen. Mehrmals im Jahr organisiert der Kölner Kreidekreis verschiedene größere Aktionen, bei denen sich mehrere Patenschafts-Tandems treffen und austauschen können.

Abgeschlossene Ökosysteme im Glas

Neben den tierischen Angeboten gab es eine Bastelaktion, bei der alle ein paar kleine Andenken an den Tag mit nach Hause nehmen durften: Es wurden Stofftaschen gebatikt, Hufeisen bemalt und Traumfänger gebastelt. Eine großartige Idee des Kreativteams um Thaїs Krings war die Herstellung von kleinen, abgeschlossenen Ökosystemen: Im nahegelegenen Wald wurden Stöckchen und Moos eingesammelt, die zusammen mit Sand, Pflanzgranulat und Kohle in Einweckgläser gefüllt wurden. Zum Schluss wurden vorsichtig kleine Sukkulenten eingesetzt und etwas Wasser eingegossen (Sukkulenten sind Pflanzen, die zum Beispiel in ihren Blättern besonders gut Wasser speichern können, wie Kakteen).

Dann wurden die Gläser verschlossen. Wenn alles gut geht, gedeihen die Sukkulenten viele Jahre in den Gläsern, ohne dass diese geöffnet werden müssen: Unter Lichteinwirkung können die Pflanzen Photosynthese betreiben und aus dem im Glas eingeschlossenen Wasser und Kohlendioxid Sauerstoff und Zuckermoleküle herstellen – also wachsen. Das Wasser verdunstet, schlägt sich am Glasrand nieder und „regnet“ wieder nach unten. Alles in allem eine tolle Aktion, die den Teilnehmern viele „Ahs“ und „Ohs“ entlockte.

KOSTENLOSER WORKSHOP ZU BEWERBUNG UND JOBSUCHE AM 23. NOVEMBER IN KÖLN

Wie schreibe ich eine Bewerbung, wie bereite ich mich auf ein Bewerbungsgespräch vor? Wie präsentiere ich mich – ob persönlich oder über Social Media –, meine Fähigkeiten und meine Motivation so, dass ich mein Gegenüber überzeugen kann?

Diese Fragen, die sich im Vorfeld einer Ausbildung oder Jobsuche erheben, stehen im Mittelpunkt unseres kostenlosen Workshops für Careleaver und junge Menschen, die bald ihre Wohngruppe verlassen müssen oder schon verlassen haben. (Und sie werden auch beantwortet, also, die Fragen!)

Der Workshop geht einen ganzen Tag und findet am Samstag, den 23. November 2024 im Bürgerzentrum Engelshof in Köln-Porz-Westhoven statt. Details findet Ihr weiter unten sowie auf unserer Termine-Seite.

Die Teilnehmer*innen werden aktiv eingebunden und können auf Wunsch ihre persönlichen Unterlagen mitbringen, zum Beispiel Stellenausschreibungen oder Lebensläufe, an denen wir dann gemeinsam arbeiten können.

Der Workshop richtet sich an junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren. Wir können ihn kostenlos anbieten, da unser aktuelles Projekt – in dem wir ehrenamtliche Patenschaften für Careleaver vermitteln und die Alltags- und Daseinskompetenzen der jungen Menschen stärken wollen – von der Aktion Mensch gefördert wird. Die Teilnahme ist auf 15 junge Menschen (ggf. plus Betreuer*innen) begrenzt.

Wir planen aktuell weitere Workshops, zum Beispiel zum Themenfeld Haushalt/Energie. Zu Finanzen und Wohnen bieten wir derzeit am 10. Mai und am 13. September eigene Workshops an.

Workshop Ausbildung und Jobsuche:

WANN: Samstag, 23. November 2024, 9.00 bis 17.00 Uhr

WO: Bürgerzentrum Engelshof, Oberstraße 96, 51149 Köln (Porz-Westhoven)

ZIELGRUPPE: Careleaver im Alter von 16-27 Jahren

DAS SOLLTEST DU MITBRINGEN: Interesse, gute Laune

PAUSENSNACK: Wir bestellen in der Pause Pizza oder Pasta. Getränke stehen auch bereit.

Anmeldung bitte bis zum 18. Oktober 2024 per E-Mail an info@koelnerkreidekreis.de. Rückfragen beantwortet unsere Projektleiterin Elena Stuffer unter 02208/911705.

KARNEVALSORDEN GEGEN SPENDE

Februar 2024. Zum Ende der kurzen, aber schönen Karnevalssession möchte das Kinderprinzenpaar der IGK Blau-Gelb Niederkassel seine übrig gebliebenen Orden und Pins für einen guten Zweck nutzen.

Über den Link orden.igk-niederkassel.de könnt Ihr die Orden und Pins bestellen und gegen eine Spende erwerben. Der gesamte Erlös kommt dem Kölner Kreidekreis zugute! Das Kinderprinzenpaar, Prinzessin Marie I. und Prinz Leon I., freut sich, wenn möglichst alle Orden und Pins für den guten Zweck veräußert werden können.

Zusammen mit dem 1. Vorsitzenden der IGK, André Neff, waren Marie und Leon ein paar Tage nach Karneval zu uns in die Geschäftsstelle in Niederkassel-Rheidt gekommen, um uns von der tollen Aktion zu berichten.

Kreidekreis-Gründerin Edeltraud Preuß (links) und Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer zusammen mit dem IGK-Vorsitzenden André Neff und dem Niederkasseler Kinderprinzenpaar Marie I. und Leon I.

Wir sagen jetzt schon ganz herzlichen Dank und freuen uns über jede und jeden, die oder der einen Orden erstehen möchte.

KOSTENLOSER WORKSHOP ZU FINANZEN UND WOHNEN AM 10. MAI IN KÖLN

Am 10. Mai bieten wir zum ersten Mal einen Workshop zum großen Themenfeld Finanzen und erste eigene Wohnung an: Was kostet das Leben, wenn man sich selbst um alles kümmern muss? Wie (und wieso) sollte man sein Budget im Blick haben – also wissen, wie viel Geld man jeden Monat auf das Konto bekommt und wofür man es ausgeben kann. Was passiert, wenn ich Rechnungen nicht bezahle? Wie funktioniert ein Girokonto und wieso wird es auf einmal so teuer, wenn ich ins Minus komme?

Dann: Wie finde ich eine Wohnung? Welche Rechte und Pflichten habe ich als Mieter? Was steht im Mietvertrag, was ist eine Kaution, was der Unterschied zwischen Kalt- und Warmmiete? Wo kann ich Wohngeld beantragen? Darf ich laute Partys in meiner Wohnung feiern und was passiert, wenn ich etwas kaputtmache?

Die Antworten auf diese und noch viele weitere Fragen erarbeiten unsere Teilnehmer*innen in diesem neuen Workshop, den wir zusammen mit der Verbraucherzentrale NRW kostenlos anbieten.

Der Workshop richtet sich insbesondere an sogenannte Careleaver, das sind junge Menschen, die in einem Kinderheim wohnen oder aufgewachsen sind und ihre Wohngruppe gerade verlassen haben oder bald verlassen müssen. Ihnen wollen wir den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern: durch Patenschaften mit ehrenamtlichen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen sowie durch gemeinsame Aktionen und Workshops, die wir für die jungen Menschen anbieten.

Wir planen aktuell weitere Workshops, und zwar zu den Themen Bewerbung/Ausbildung/Jobsuche, Haushalt/Energie sowie Gesundheit/Hobbys.

Workshop Finanzen und Wohnen:

WANN: Freitag, 10. Mai 2024, 13.00 bis circa 18 Uhr

WO: Bürgerzentrum Engelshof, Oberstraße 96, 51149 Köln (Porz-Westhoven)

ZIELGRUPPE: Careleaver im Alter von 16-27 Jahren

DAS SOLLTEST DU MITBRINGEN: Interesse, gute Laune

PAUSENSNACK: Wir bestellen in der Pause Pizza oder Pasta. Getränke stehen auch bereit.

Anmeldung bitte bis 8. April 2024 per E-Mail an info@koelnerkreidekreis.de. Rückfragen beantwortet unsere Projektleiterin Elena Stuffer unter 02208/911705.

PATENAUSFLUG ZUM NÜRBURGRING

Rennsport ist offensichtlich nicht nur Männersache, stellten wir Anfang Oktober auf unserem Ausflug zum Nürburgring fest. Sechs Patinnen und Paten mit ihren Patenkindern waren unserer Einladung gefolgt, zur Hälfte weiblich, zur anderen männlich, und begleitet vom haupt- und ehrenamtlichen Team des Kölner Kreidekreises.

Zu verdanken hatten wir den Blick hinter die Kulissen dem Black-Falcon-Rennstall und seinem Teammanager Maurice Stuffer, die uns einen unvergesslichen Tag bereiteten: Am Tag des Probetrainings für das letzte Langstreckenrennen der Saison durften wir das Fahrerlager anschauen, die Boxengasse besichtigen und in einem Porsche Probe sitzen. Das Rennauto hatte das Team eigens für uns in seiner Werkstatt hergerichtet.

In der Box selbst ging es hoch her. „Wir sind an diesem Wochenende mit 35 Leuten vor Ort, damit alles läuft“, erklärte uns Maurice. „Aber wir könnten gut noch drei Leute mehr in der Box beschäftigen!“ 12 Rennen fährt Black Falcon jedes Jahr in Deutschland, dazu noch einige in Europa. Zehn bis 15 Autos stehen dem Team dafür zur Verfügung, wobei nie alle gleichzeitig fahren.

Spannend wurde es – zumindest für die Besucher –, als ein Rennwagen auf der Strecke stehenblieb und abgeschleppt werden musste. Zum Glück nur ein kleiner elektrischer Schaden. Aber so bekamen wir mit, wie gut die Logistik auf dem Ring funktionierte: In wenigen Minuten hatte der Abschleppwagen das Auto zur Diagnose an die Black-Falcon-Box gebracht.

10.000 EURO VON PFLEGE-INVESTOREN

Kölner Kreidekreis erhält eine der größten Einzelspenden seiner Geschichte

Niederkassel, September 2023. Der Kölner Kreidekreis hat von der SWP Seniorenwohnbauprojekte GmbH aus Hilden eine der größten Einzelspenden seiner Geschichte erhalten: Die SWP-Geschäftsleitung übergab dem Verein an dessen Stammsitz in Niederkassel-Rheidt Anfang September einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro.

Ute Wiedemeyer, Geschäftsführerin des Kölner Kreidekreises, zeigte sich höchst erfreut: „Diese Spende fließt direkt in die Vermittlung von Patenschaften für Heimkinder im Rheinland“, betonte sie. Die vom Kreidekreis aktuell betreuten Kinder lebten in Wohngruppen etwa in Düsseldorf und Hilden, in Leverkusen, Bergisch Gladbach und Köln, in Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und angrenzenden Städten, bis hin in die Eifel und ins Ruhrgebiet. „Auch die ehrenamtlichen Patinnen und Paten kommen aus dieser Region“, erklärt Wiedemeyer. „Dadurch ist sichergestellt, dass sie ihre Patenkinder ohne größeren Aufwand etwa alle zwei Wochen treffen können.“ Nur so könnten vertrauensvolle Beziehungen wachsen.

„Wir wollten etwas Gutes für jüngere Kinder tun, die in der Gesellschaft ein Stück weit auf der Strecke geblieben sind; und unsere Spende sollte in der Region bleiben. Beim Kölner Kreidekreis wissen wir, wohin das Geld geht“, begründeten Stephanie Rosenthal-Strepp und Sven Rosenthal die Wahl. Die beiden bilden das Geschäftsleitungsteam der Investorengesellschaft SWP Seniorenwohnbauprojekte GmbH. „Wir entwickeln und realisieren nachhaltige Pflege- und Wohnimmobilien für die ältere Generation“, umreißt Sven Rosenthal die Arbeit des Unternehmens.

SWP hat im Sommer auf dem Fachkongress Expo Living & Care in Berlin einen Preis in Höhe von 5000 Euro für den Investor des Jahres 2023 in der Pflegewirtschaft erhalten. Die Geschwister Rosenthal verdoppelten die Summe und spendeten sie nun dem Kölner Kreidekreis.

Neben dem Preis für Investoren wurde auf der Expo Living & Care auch der Award für die besten Betreiber des Jahres vergeben. Beide Awards werden jährlich von dem Redaktionsteam der Fachzeitschrift Care Invest und dem Kölner Beratungs- und Maklerunternehmen Terranus GmbH verliehen und sind mit jeweils 5000 Euro dotiert, die wiederum von Terranus gestiftet werden.

Scheckübergabe durch SWP an Kölner Kreidekreis
Pressefoto (zum Download klicken Sie bitte auf das Foto): Scheckübergabe in Rheidt: Die Spender Sven Rosenthal, links, und Stephanie Rosenthal-Strepp, rechts, mit Terranus-Geschäftsführer Markus Bienentreu und Kreidekreis-Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer. (Foto: Kölner Kreidekreis)

Wer an den Kölner Kreidekreis spenden möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung tun: IBAN: DE49 4306 0967 4017 8866 00. Die Spendenquittung kommt unaufgefordert, wenn Sie Ihre Adresse angeben.

Den Text der Presseinformation können Sie hier als RTF-Datei herunterladen.

AKTION MENSCH FÖRDERT NEUES CARELEAVER-PROJEKT FÜR FÜNF JAHRE

Die Aktion Mensch fördert das neue „Careleaver“-Projekt des Kölner Kreidekreises mit 300.000 Euro über fünf Jahre. In dem Projekt knüpft der Verein Patenschaften zwischen Careleavern und ehrenamtlich tätigen Erwachsenen als Patinnen und Paten. Careleaver sind junge Menschen, die mit der Volljährigkeit das System der Kinder- und Jugendhilfe verlassen müssen. Sie stehen vor der Herausforderung, sich beim Weg in die Selbstständigkeit nicht auf den Rückhalt einer Familie oder anderer Vertrauensmenschen stützen zu können.

Die Aktion Mensch fördert fünf Jahre lang mit 60.000 Euro jährlich, in Summe bis zu 300.000 Euro, das neue Patenschaftsprojekt des Kölner Kreidekreises e. V.: die Anbahnung, Vermittlung und Begleitung von Patenschaften zwischen „Careleavern“ und ehrenamtlich tätigen Erwachsenen als Patinnen oder Paten.

„Careleaver sind junge Menschen im Alter von etwa 16 bis 27 Jahren, die in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe leben und diese mit der Volljährigkeit verlassen und einen eigenen Haushalt gründen müssen“, erläutert der Vorstandsvorsitzende des Kölner Kreidekreises, Thomas Preuß. „Sie haben in ihrer Kernfamilie und im Freundeskreis zumeist keinen Rückhalt, der sie dabei unterstützt.“ Careleavern fehlten in der Regel erwachsene Ansprechpartner außerhalb des Systems der Jugendhilfe, die ihnen bei dem Weg in die Selbstständigkeit vertrauensvoll und zuverlässig zur Seite stünden. „Die Strukturen der Jugendhilfe haben den jungen Menschen viele Jahre lang Halt gegeben“, weiß Preuß. „Nun aber müssen sie sie verlassen und sich ein Leben in Eigenverantwortung aufbauen. Vor dieser Herausforderung stehen viele Careleaver weitgehend allein.“

+++ Paten sollen bei Wohnungseinrichtung, Jobsuche oder Formularen helfen

Bei dem Schritt in die Selbstständigkeit will der Kölner Kreidekreis nun mithilfe der Projektfinanzierung durch die Aktion Mensch möglichst viele Careleaver im Rheinland unterstützen. „Dafür suchen wir Patinnen und Paten, die wir in mehrteiligen Seminaren ausbilden und dann mit Careleavern zusammenbringen werden“, sagt Preuß. „Ganz ähnlich also, wie wir es seit 2006 schon für Kinder und Jugendliche anbieten.“ Die Patenschaften würden auch nach der Vermittlung zeitlich unbefristet professionell vom Verein begleitet.

Die Paten sollen den Careleavern Gesprächspartner sein, ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen: zum Beispiel bei der Wohnungseinrichtung oder der Jobsuche helfen, mit ihnen Anträge durchackern. „Vielfach reicht es auch schon, den Careleavern ein Vorbild zu sein, an denen sie ihre Lebensgestaltung orientieren können“, meint der Kreidekreis-Vorstand. Der Vertrauensmensch solle vor allem Ansprechpartner und Anker sein. Ein Stück weit könnten die Patinnen und Paten als Ersatz für eine Familie gesehen werden, denn sie übernähmen zahlreiche Funktionen, die in behüteten Familien den Eltern oder Geschwistern zufielen, betont Thomas Preuß.

+++ Einsamkeit fördert Ängste

Der 23-jährige Lukas Dreesbach aus Königswinter ist selbst Careleaver und stimmt dem Kreidekreis-Vorstand zu: „Ich denke, neben dem stigmatisierenden Image des ‚Heimes‘ ist die Einsamkeit für viele Careleaver eines der größten Probleme. Deshalb finde ich das Angebot des Kölner Kreidekreises so toll, den Careleavern über Patenschaften Vertrauenspersonen an die Seite zu stellen, die für einen da sind!“ Einige Careleaver hätten ein ziemliches Redebedürfnis, wenn sie die Jugendhilfe verlassen müssten, meint Dreesbach: „In der eigenen Wohnung sind sie meistens allein, haben oft niemanden mehr. Das fördert natürlich Ängste.“ Viele Careleaver täten sich aufgrund ihrer Erfahrungen schwer, jemand anders zu vertrauen. „Einige driften auch in Depressionen ab – oder bekommen noch schlimmere Probleme.“ Dreesbach vertritt die Regionalgruppe Nordrhein-Westfalen des Careleaver e. V., mit der der Kölner Kreidekreis in dem neuen Projekt eng zusammenarbeitet.

+++ Wirkungskreis Großraum Köln-Bonn-Düsseldorf

„In den nächsten Monaten werden wir uns gemeinsam intensiv damit beschäftigen, welche fachliche Unterstützung erforderlich ist und wie wir sie anbieten können – sowohl für unsere potenziellen Patinnen und Paten als auch für die Careleaver“, kündigte der Kreidekreis-Vorsitzende an. Dazu gehörten zum Beispiel spezielle Workshops zur Haushaltsführung, zu Finanzen, zum Thema Recht oder zur Ausbildung und Jobsuche. „Unsere Vision ist es, den jungen Menschen über eine nicht-familiäre, alternative Bindung bessere Startbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“, betont Thomas Preuß.

Der Kölner Kreidekreis ist mit seinem Angebot vorwiegend im Großraum Köln-Bonn tätig, mit Schwerpunkten im Rhein-Sieg-Kreis und dem Oberbergischen Kreis. Dabei reicht der Wirkungskreis inzwischen im Norden bis Hilden und Düsseldorf.

In einem Interview, das hier verlinkt ist, erzählt Careleaver Lukas Dreesbach, was Careleaver brauchen und was sie fürchten – und wie die Gesellschaft ihnen helfen kann.

„DIE EINSAMKEIT IST FÜR CARELEAVER EINES DER GRÖSSTEN PROBLEME.“

Lukas Dreesbach ist Careleaver und Ansprechpartner der Regionalgruppe NRW des Careleaver e.V., mit dem der Kölner Kreidekreis im neuen Projekt der Aktion Mensch kooperiert. Was Careleaver brauchen und welche Träume er hat, erzählt er in unserem Interview. (Careleaver sind junge Menschen im Alter von etwa 16 bis 27 Jahren, die in einem „Kinderheim“ gelebt haben und mit der Volljährigkeit die Kinder- und Jugendhilfe verlassen müssen, um auf eigenen Beinen zu stehen.)

Stell bitte einmal kurz Euren Verein vor.

Lukas Dreesbach: Der Careleaver e. V. ist eine selbstorganisierte Interessenvertretung von Careleavern für Careleaver. Wir bieten unseren Mitgliedern ein Netzwerk für den Austausch untereinander – und sind politisch aktiv. So erstellen wir zu bestimmten Themen Positionspapiere, sind in Anhörungen und Ausschüssen vertreten. Damit wollen wir das Bild von Careleavern in der Öffentlichkeit positiv verändern und Careleavern den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Du wirst bald 24 und lebst seit einigen Jahren in einer eigenen Wohnung. Wann und warum bist Du seinerzeit in ein „Heim“ gekommen?

Ich bin eigentlich gut behütet in einem Dorf am Rande des Siebengebirges aufgewachsen. Meine Eltern waren beide schwer krank und konnten sich mit dem Fortschritt ihrer Krankheiten immer weniger um mich kümmern. Auf der anderen Seite bekam ich Probleme in der Schule durch mein auffälliges soziales und pubertierendes Verhalten. Ich erinnere mich heute noch an einen Kommentar meiner Kunstlehrerin in der vierten Klasse: „Das Bild ist so hässlich, das kannst du nicht einmal auf der Toilette aufhängen.“ Daraufhin habe ich mit Farbtöpfen um mich geworfen und bin weggerannt. Diese Probleme zogen sich dann weiter bis in die fünfte Klasse der Realschule.

… und dann kam sicher irgendwann das Jugendamt?

Ich weiß nicht mehr genau, wie es ablief. Mit elf Jahren kam ich für ein halbes Jahr in eine Tagesklinik, danach war ich von Montag bis Freitag, für fünf Jahre, in einer Intensivgruppe auf dem Venusberg. Später kam ich in eine Wohngruppe in Königswinter, dort war ich insgesamt drei Jahre. Heute habe ich eine eigene kleine Wohnung, die nur ein paar Schritte entfernt von meiner alten Einrichtung liegt.

Wie wurdest Du auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet?

Im Prinzip wurde ich in jeder Einrichtung unterstützt, jede pädagogische Fachkraft hat mich auf ihre Weise geprägt. Ich hatte zum Beispiel mal eine Betreuerin, die sehr autoritär war, aber immer an mich geglaubt hat. Sie wusste auch in kritischen Momenten immer, wie sie mit mir umzugehen hatte. Und sie hat mir erst meinen Humor beigebracht.

Eine große Unterstützung während des Übergangs in meine erste eigene Wohnung war meine letzte Bezugsbetreuerin. Sie hat mir bei der Wohnungseinrichtung geholfen, mit den Möbeln und dem WLAN und mir erklärt, wie ich meine Ablage zu organisieren habe: dass man Bankauszüge und Briefe von Behörden abheften muss zum Beispiel. Sie kam noch eine ganze Weile regelmäßig vorbei und hat mich immer ernstgenommen. Ich hatte echt großes Glück mit ihr.

Wurdest Du auch von Deiner Familie unterstützt, habt Ihr noch Kontakt?

Meine Eltern, vor allem meine Mutter, waren immer für mich da. Ich wollte sie damals aber nicht allzu sehr mit meinen Problemen belasten, da sie ja genügend eigene hatten. Meine Mutter ist inzwischen gestorben, mein Vater lebt heute in einem Pflegeheim. Aber mein Patenonkel und seine Familie, meine Großmutter, Patentante und auch ein paar Freunde haben mich immer unterstützt.

Was hat Dir in Deiner Kindheit am meisten gefehlt?

Klingt komisch, aber ich hätte gern einen kleinen Bruder gehabt. Keine Ahnung wieso. Mir fehlte auch immer eine richtige Jungen-Peergroup. Ich wurde aufgrund meines Aussehens und meiner Biografie oft gemobbt und ausgegrenzt. In der Grundschulzeit hatte ich nur einen richtigen Freund, bei dem ich immer willkommen war. Leider konnte ich diese Freundschaft erst Jahre später wertschätzen.

Und was fehlt Dir jetzt?

Meine Mutter fehlt mir schon noch. Und in meiner eigenen Wohnung fühle mich öfters mal einsam. Das Leben in den Einrichtungen empfand ich als recht turbulent, wie in einer großen Patchwork-Familie. Das war manchmal anstrengend, aber es gab natürlich auch lustige und schöne Momente. Mein schönstes Erlebnis war, als ich beim 1. FC Köln mit einlaufen durfte. Ich denke, neben dem stigmatisierenden Image des „Heimes“ ist die Einsamkeit für viele Careleaver eines der größten Probleme. Deshalb finde ich das Angebot des Kölner Kreidekreises so toll, den Careleavern über Patenschaften Vertrauenspersonen an die Seite zu stellen!

Du meinst, einfach jemanden, der mal zuhört?

Vor allem jemand, der für einen da ist. Einige Careleaver haben ein ziemliches Redebedürfnis, wenn sie die Jugendhilfe verlassen müssen. In der eigenen Wohnung sind sie meistens allein, haben oft niemanden mehr. Das fördert natürlich Ängste. Viele Careleaver tun sich aufgrund ihrer Erfahrungen auch schwer, jemandem zu vertrauen. Sie driften dann in Depressionen ab – oder kriegen noch schlimmere Probleme.

Wie sollten denn die Menschen sein, um Careleavern eine Stütze zu sein?

Die jüngeren Menschen brauchen meiner Meinung nach vor allem Familienfiguren zur Identifikation, wie Mutter, Vater, Onkel oder Tante. Eine starke Schulter zum Anlehnen; jemanden, der sie fördert, ihnen beisteht, zuhört. Die Älteren brauchen vor allem Gleichaltrige, die sie verstehen. So nach dem Buddy-Prinzip …

Das ist eine Art der gegenseitigen Absicherung, die man aus der ärztlichen Ausbildung oder vom Sporttauchen her kennt …

Es ist einfach gut, immer einen zuverlässigen Begleiter an seiner Seite zu haben, einen „Buddy“ eben. Durch das neue Projekt ergänzt der Kreidekreis die bisherigen gesellschaftlichen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sehr gut. Denn für die jungen Menschen, die sich im Übergang zur Selbstständigkeit befinden, wird noch viel zu wenig getan.

Inzwischen hast Du selbst eine Ausbildung zum Kinderpfleger gemacht und nun den Erzieher draufgesattelt. Kinder liegen Dir also selbst am Herzen?

Absolut. Kinder sind unsere Zukunft. Natürlich hat mich meine eigene Biografie beruflich geprägt. Ich versuche immer, Kinder so zu nehmen, wie sie sind, und die positiven Seiten zu sehen. Jedes Kind hat seine Biografie, die versuche ich zu verstehen und zu begleiten. Ich möchte, dass sie zu zuversichtlichen, selbstständigen und selbstbewussten Menschen werden.

Was war Dein schönstes Erlebnis in der Kita?

Das war ein Junge aus der Gruppe der Vorschulkinder. Ich war noch gar nicht lange da, aber als alle Kinder gefragt wurden, mit wem sie am liebsten ihre Schultüte basteln wollten, hat er gesagt: „Mit Lukas!“ Das hat mich sehr berührt.

Im Übrigen muss ich mich auch bei der Kitaleitung und dem ganzen Team bedanken, bei dem ich mein FSJ und jetzt das Anerkennungsjahr als Erzieher absolviert habe beziehungsweise absolviere. Dort haben mich alle in meinem beruflichen Werdegang immer super unterstützt.

Wovon träumst Du?

Träume habe ich viele, vor allem drei Dinge: Erstens wünsche ich mir ein glückliches Leben mit einer eigenen Familie und Kindern. Zweitens will ich auf jeden Fall eines Tages alle 47 Länder Europas bereist haben. 31 habe ich schon. Und drittens will ich einen Tanzkurs machen, ich tanze total gern. Cha-Cha, Walzer, Discofox … Für einen Kurs fehlt mir momentan leider eine Tanzpartnerin. Aber vielleicht klappt es ja noch, und dann sieht man mich eines Tages bei „Let’s Dance“ (grinst)!

Was ist dein Appell an unsere Leserinnen und Leser?

Die Gesellschaft sollte mehr Verständnis für unsere Biografien aufbringen. Menschen sollten sich grundsätzlich mehr Zeit füreinander nehmen, um sich gegenseitig ihre Geschichten zu erzählen und sie anzuhören – und diese auch zu akzeptieren. Ich denke, das würde manches Handeln erklären und könnte viele Probleme lösen. 

Vielen Dank für Dein offenes Gespräch, lieber Lukas!

HOHER BESUCH AUS DEM LANDTAG

Anfang Juni besuchte uns die Landtagsabgeordnete Katharina Gebauer in unserem Vereinsbüro in Niederkassel-Rheidt, um sich über unsere Projektarbeit zu informieren. Gebauer sitzt seit 2017 im Landtag von Nordrhein-Westfalen und ist „unsere“ Abgeordnete für Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin-Menden. Im Düsseldorfer Landtag ist sie ordentliches Mitglied in den Ausschüssen für Kinder, Familie und Integration sowie Arbeit, Gesundheit und Soziales. Im Gruppenbild steht Gebauer als Zweite von rechts neben den drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Kölner Kreidekreises.

Die Familienpolitikerin zog ein positives Resümee ihres Besuchs und kündigte an, unsere Arbeit unter anderem im Jugendhilfeausschuss Troisdorf vorzustellen: „Der Kölner Kreidekreis unterstützt Kinder, die in Heimen leben, durch die Wegbegleiter-Patenschaften auf einmalige Weise. Die Vermittlung einer festen Bezugsperson hat einen enormen Wert für die Entwicklung und das Wohlbefinden des Kindes. Herzlichen Dank an die Paten und das Team des Kölner Kreidekreises für ihr wichtiges Engagement.“

CROWDFUNDING FÜR WAS GUTES

Der Kölner Verein Was Gutes e. V. will auch in diesem Jahr wieder einen Wettbewerb ausschreiben und hat dafür ein Crowdfunding gestartet. Im vergangenen Jahr lief der Wettbewerb im Rhein-Sieg-Kreis; der Kölner Kreidekreis war einer der beiden Sieger. Unser Gewinn war ein professioneller Film (hier und auf unserer Startseite verlinkt) über unsere Arbeit.

2023 will Was Gutes soziale Projekte und Initiativen fördern, die in Köln Gutes tun und sich vor Ort ehrenamtlich engagieren – und zwar wieder, indem der Verein die Gewinner-Projekte bei der medialen und öffentlichen Darstellung unterstützt.

Die kreativen Köpfe hinter Was Gutes arbeiten ehrenamtlich; trotzdem entstehen bei dieser Projektarbeit immer auch Kosten über die ehrenamtlich erbrachte Zeit hinaus. Um auch dieses Jahr wieder Projekte mit seiner Arbeit unterstützen zu können, hat Was Gutes kürzlich ein Crowdfunding gestartet. Bis zum 30. April 2023 hat der Verein nun Zeit, um die Spendensumme von 2000 Euro zu erreichen. Wird die Summe nicht erreicht, erhält Was Gutes auch kein Geld aus dieser Aktion.

Wer mehr über Was Gutes e. V. und den diesjährigen Wettbewerb erfahren oder (vielleicht und vor allem auch) spenden möchte, findet hier die nötigen Infos und die aktuelle Spendensumme:

Was-Gutes-Wettbewerb für Kölner Initiativen