„Bindung verstehen – Kinder mit schwierigen Erfahrungen begleiten“: Unter dieser Überschrift stand Ende November unser Themenabend für Patinnen und Paten, den die bindungsbasierte Beraterin und Therapeutin Sylwia Bocianski leitete. Auch einige Interessierte, die demnächst eine ehrenamtliche Patenschaft für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene übernehmen möchten, nahmen teil.
In den Patenschaften begegnen wir zahlreichen jungen Menschen, die im Leben verschiedenste negative Erfahrungen gemacht haben und dadurch oftmals traumatisiert sind: Fehlende Fürsorge der Eltern, Vernachlässigung oder auch Abwesenheit eines oder beider Elternteile sind nur ein paar Beispiele. Sie alle haben eines gemeinsam: Diese Erfahrungen wirken sich maßgeblich negativ auf das Sicherheitszentrum des Kindes und sein Bindungsmuster aus.
Denn Kinder suchen nach Nähe, Sicherheit und Beruhigung. Erhalten sie diese nicht, wird ihr Stresssystem belastet und ein inneres Arbeitsmodell entwickelt, das Auswirkungen darauf hat, wie sie Menschen begegnen, ob sie ihnen vertrauen oder misstrauen und wie sie ihre Emotionen regulieren können.
Die Erfahrungen, die Kinder machen, prägen sie maßgeblich. „Dabei sichern sie sich immer die Bindung zu ihrer primären Bezugsperson“, machte Sylwia Bocianski klar, „auch wenn das bedeutet, dass die Bindung als solche oder das Bindungsmuster nicht gut für das Kind ist.“ Denn Bindung sei ein lebenslang fortbestehendes Grundbedürfnis des Menschen. Sei das Kind unsicher oder desorganisiert gebunden, so seien Verhaltensweisen wie Rückzug, Kontrolle oder Aggression keine Seltenheit. „Dieses Verhalten ist Ausdruck eines Schutzmechanismus‘ und einer Überlebensstrategie – und nicht eines bösen Willens“, sagte Bocianski.
Weitere typische Verhaltensmuster dieser Kinder sind eine Nähe-Distanz-Ambivalenz, emotionale Abflachung oder auch extreme Anpassung. Was dabei hilft? Eine klare Haltung und ein Verhalten seitens des Erwachsenen, das für das Kind vorhersehbar ist. Zudem geben Rituale und Struktur Sicherheit. Wichtig sind daneben eine wohlwollende Kommunikation und das gleichzeitige Setzen von Grenzen. Das Verhalten der Kinder sollte „übersetzt“ statt bewertet werden. Man darf sich immer wieder die Frage stellen: „Was möchte mir das Kind damit sagen?“
Mit Blick auf die eigene Selbstfürsorge gilt: Nur wer sich selbst gut reguliert, kann Kinder gut co-regulieren. Denn nur wer sich innerhalb seiner eigenen Stresstoleranzkurve befindet, hat die Möglichkeit, die Emotionen des Kindes zu regulieren. Daher sollten eigene Gefühle und Grenzen immer wahr- und ernstgenommen werden. Es kann auch hilfreich sein, sich im Bedarfsfall Unterstützung einzuholen oder den Austausch mit anderen zu suchen.
Bindungsmuster sind veränderbar – aber nicht allein für sich
Zum Abschluss stellte die Referentin klar, dass Bindungsmuster veränderbar sind. Schwere Bindungsstörungen könne man zwar kaum komplett heilen, aber durch ein sicheres Angebot und Wiederholungen könnten Bindungsunsicherheiten abgeschwächt werden. Aus der Resilienzforschung sei bekannt, dass Personen, wie beispielsweise unsere Patinnen und Paten, eine wichtige Ressource für die Kinder sind. Die ehrenamtlichen Wegbegleiter können maßgeblich zu diesen Verbesserungen beitragen; für die Veränderung von Bindungserfahrungen braucht es aber immer zwei Personen: Man kann diese nicht allein bewältigen und verändern.
Die Mitgliederversammlung des Kölner Kreidekreises hat am 21. November 2025 den amtierenden Vorstand des Vereins für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt: Thomas Preuß geht als Vorsitzender in seine dritte Amtszeit, Dietmar Schnelle bleibt stellvertretender Vorsitzender, und Sabine Krieger wurde als Kassenwartin wiedergewählt.
„Unser Verein blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück“, berichtete Preuß auf der Mitgliederversammlung. „Unter anderem wurden wir mit zwei Ehrenamtspreisen ausgezeichnet, was uns alle sehr stolz macht.“ Zudem hätten gleich drei Stiftungen sowie die Deutsche Postcode Lotterie dem Kölner Kreidekreis 2025 erstmals höhere Summen für die Patenschaftsvermittlung zugesprochen – neben der bestehenden Förderung durch die Aktion Mensch und einer abermaligen Unterstützung durch die Aktion wir helfen in Köln. „Wir gehen daher sehr zuversichtlich ins neue Jahr, in dem wir übrigens unser 20-jähriges Bestehen feiern!“
Der Kölner Kreidekreis vermittelt Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Wohngruppen im Rheinland leben, erwachsene Patinnen und Paten, die ihnen über viele Jahre zuverlässig zur Seite stehen. Aktuell sucht der Verein Wegbegleiter für junge Menschen insbesondere in Köln, Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis sowie im Kreis Euskirchen und in der Eifel.
Am 11. Oktober haben wir mit über 40 Patinnen, Paten und Patenkindern einen tollen Tag im Phantasialand verbracht. Zu verdanken haben wir den Ausflug der JaBe-Stiftung, die regelmäßig ähnliche Projekte fördert. Daher war der Eintritt für alle frei, auch Verpflegung und Eis hat uns die Stiftung spendiert.
Einige von uns sind den ganzen Tag nur Achterbahn gefahren, andere amüsierten sich beim virtuellen Abschießen von Mäusen in einer Großbäckerei oder in den Akrobatik- und 4D-Shows. 4D heißt „vier Dimensionen“. Man musste eine spezielle Brille aufsetzen, um in drei Dimensionen schauen zu können: Da sprangen einem fast die Mäuse ins Gesicht. Die vierte Dimension wurde durch Druckluftdüsen, Wasserspritzer und rüttelnde Stühle erzeugt, so dass diese Kino-Erlebnisse am ganzen Körper spürbar wurden.
Wir sagen an dieser Stelle im Namen aller Beteiligten der JaBe-Stiftung um Jan Bettink vielen herzlichen Dank!
Am 7. Oktober fand unser dritter „Runder Tisch Careleaver“ statt. Wir hatten eine 25-jährige Careleaverin, einen Wegbegleiter-Paten unseres Vereins sowie mehrere Vertreter aus Wohngruppen, Jugendämtern, von Trägern und vom Paritätischen zu Gast in Königswinter. Unser Anliegen ist es, mit diesen jährlich stattfindenden Treffen einen Austausch über die Bedarfe von Careleavern anzuregen und Ansätze zu finden, die Careleavern das Leben leichter machen.
Zu Beginn zog Dr. Severine Thomas die Anwesenden per Zoom in ihren Bann. Sie forscht an der Universität Hildesheim zum Thema „Leaving Care“ und zu den Infrastrukturen im Hilfesystem. Thomas erinnerte an die Neuformulierung des § 41 SGB VIII, in dem der Rechtsanspruch auf Hilfen für junge Volljährige verbindlicher geregelt wurde. Unter anderem sei, daran anknüpfend, nun ein Recht auf Nachbetreuung (§ 41a SGB VIII) auch nach dem 18. Lebensjahr verankert, woraus eine Verpflichtung der öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe erwachse, diese (Nachbetreuung) zu ermöglichen und aktiv vorzuhalten. „Die Hilfe darf nicht mit 18 enden, denn die öffentliche Verantwortung für Careleaver endet nie“, mahnte Thomas, räumte zugleich aber ein, dass der aktuelle Fachkräftemangel weniger Zeit für konzeptionelles Arbeiten lasse.
Careleaver in vielen Lebensphasen benachteiligt
Die Wissenschaftlerin betonte, es müsse nicht nur der Übergang aus der Wohngruppe in einen eigenen Haushalt unterstützt werden. Vielmehr seien Careleaver in vielen Lebensphasen benachteiligt: „Den meisten fehlen eine existenzielle Absicherung und der familiäre Rückhalt, und auch gesundheitlich stehen Careleaver oft schlechter da als ihre Peergroup.“ Häufiger als andere würden sie als Mieter abgelehnt, und bei der Berufsfindung, einem etwaigen Abbruch einer Ausbildung, einem Jobwechsel und anderen alltäglichen Herausforderungen seien viel mehr Nachbetreuungsangebote nötig, „weil dies Careleaver allein einfach oft nicht schaffen können!“.
In den Kommunen fehlten zumeist noch verlässliche Strukturen – und das, obwohl es dafür nun seit 2021 eine gesetzliche Regelung gebe. Dabei gehe es durchaus auch um ideell-symbolische Unterstützung: „Nachbetreuung geht auch ohne Hilfeplanung“, unterstrich Thomas die Niedrigschwelligkeit der in § 41a neu geschaffenen Regelungen. „Hauptsache, Careleaver können sich überhaupt an jemanden wenden!“
Einige Kommunen gehen mit gutem Beispiel voran
Die Forscherin nannte einige Städte, die mit gutem Beispiel vorangehen. So habe man sich in Dortmund auf einen Träger geeinigt, der die Nachbetreuung für alle Careleaver übernehme. Die Stadt finanziere dieses Angebot mit einer festen Summe. Anderen Träger sei es nicht untersagt, ein ähnliches Angebot zu unterhalten; für eine Laufzeit von drei Jahren habe sich die Stadt aber nun entschieden, einen einzelnen Träger mit dieser Aufgabe zu beauftragen und finanziell auszustatten.
In der Region Hannover wurde stattdessen eine Leistungs- und Entgeltvereinbarung mit Trägern der Jugendhilfe auf den Weg gebracht. Diese ermöglicht es, Careleaver unbürokratisch mit bis zu neun Fachleistungsstunden nachzubetreuen. Sollte höherer Bedarf vorliegen, können in der gesamten Region mit sechs Jugendämtern weitere Hilfen in Anspruch genommen werden – ggf. auch eine erneute Hilfe für junge Volljährige.
Der – prinzipiell eindeutigen – gesetzlichen Pflichtaufgabe stünden natürlich die Kosten in den chronisch finanziell klammen Kommunen gegenüber, da gab sich Severine Thomas keinen Illusionen hin. Dennoch rief sie alle Anwesenden dazu auf, ihr Möglichstes zu tun und in der Fläche gute Nachbetreuungsangebote zu schaffen, sie zu bewerben und Careleaver darüber zu informieren: „Die jungen Menschen sollen sich nicht schämen, Unterstützung anzunehmen. Und wenn sie einmal vor einer verschlossenen Tür stehen, kommen sie nicht wieder.“
Die Etablierung wird spannend!
Carina Mayer, Careleaverin, beim Runden Tisch des Kölner Kreidekreises
Im Anschluss bestätigte die 25-jährige Careleaverin Carina Mayer Thomas‘ Ausführungen. So sei die Suche nach einer eigenen Wohnung schwierig gewesen, weil sie keine Bürgschaft vorlegen konnte: „Das familiäre Umfeld fehlt einfach.“ Auch die Gehaltsnachweise hätten nicht geholfen. 73 Bewerbungen um eine Wohnung musste sie schreiben, ehe sie über „Vitamin B“ dann zum Zuge kam. „Aber auch bei der Krankenversicherung, beim Kindergeld, bei der Finanzierung des Studiums oder sonstigen Anträgen: Man ist fast immer allein mit der ganzen Bürokratie, die Anträge sind fürchterlich kompliziert.“ Um alles habe sie sich selbst kümmern müssen. Zum Glück sei sie bei einigen Sachen von einer Pädagogin aus ihrer früheren Wohngruppe unterstützt worden. „Das ist aber nicht der Regelfall“, betonte Carina.
An den Feiertagen will niemand allein sein
Aktuell ist die junge Sozialarbeiterin, die soeben ihren Bachelor abgeschlossen hat und in einem Familienhaus arbeitet, auf der Suche nach einer Patin im Kölner Kreidekreis: „Ich wünsche mir eine Person, die mich langfristig durchs Leben begleitet, die ich einfach so mal anrufen kann. Die meisten Careleaver haben so jemanden nicht. Insbesondere die Feiertage sind sehr einsam, weil die Freundinnen dann bei ihren Familien sind …“
Thomas Preuß (thomas Punkt preuss ät koelnerkreidekreis Punkt de)
Niederkassel/Köln, September 2025. Der Kölner Kreidekreis e. V. mit Sitz in Niederkassel-Rheidt ist mit dem Ehrenamtspreis „KölnEngagiert 2025“ ausgezeichnet worden, verbunden mit einem Scheck in Höhe von 3000 Euro. Der Preis wurde dem gemeinnützigen Verein am 7. September im Historischen Rathaus der Stadt Köln verliehen. Aus 160 Vorschlägen hatte eine unabhängige Jury acht ehrenamtlich tätige Einzelpersonen und Gruppen ausgewählt. „Ich danke Ihnen allen für Ihren Einsatz“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Zusammen mit 220000 anderen Ehrenamtlichen in Köln setzen Sie ein Zeichen gegen die Spaltung der Gesellschaft und halten diese Stadt am Laufen!“
Laudator Dr. Ralf Heinen, ehrenamtlicher Bürgermeister und Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses der Stadt Köln, würdigte den Kölner Kreidekreis für sein 2006 ins Leben gerufenes Patenschafts-Projekt: Ehrenamtliche Patinnen und Paten begleiten in ihrer Freizeit Kinder und Jugendliche, die im Rheinland in Heimen leben. Viele dieser jungen Menschen haben außerhalb ihrer Einrichtung keine Vertrauensperson. Die Wegbegleiter-Paten treffen sich regelmäßig mit ihnen, verbringen gemeinsame Zeit und stehen ihnen langfristig zur Seite.
„Jeder kann etwas gegen die Einsamkeit anderer tun!“
Thomas Preuß, der Vorsitzende des Kölner Kreidekreises, bedankte sich bei Henriette Reker, bei der Stadt Köln und der Jury für die Auszeichnung. Er rief die Anwesenden dazu auf, in ihrem eigenen Umfeld dazu beizutragen, Kindern und Jugendlichen aus Kinderheimen das Leben und den Übergang in die Welt außerhalb ihrer Einrichtungen zu erleichtern: „Wir wissen, dass diese Kinder im Kindergarten und in der Schule nur schwer Freundschaften schließen. Und später, beim Übergang in den eigenen Haushalt, sind sie oft sehr einsam.“ Dem wolle der Verein mit seinen ehrenamtlichen Patenschaften vorbeugen. „Jeder hier im Raum könnte seine eigenen Kinder und Enkel ermuntern, andere, die nicht so behütet aufwachsen wie sie selbst, anzusprechen oder zu sich nach Hause einzuladen,“ wünschte sich der Kreidekreis-Vorstand. „Damit wäre schon viel gegen die Einsamkeit und für die Integration getan!“
Nach der Überreichung der Urkunde und des Preisgeld-Schecks trug sich das vierköpfige Team des Kölner Kreidekreises in das Gästebuch der Stadt Köln ein: Thomas Preuß, Kassenwartin Sabine Krieger, Patin Harriet Gehring und Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer. Der Eintrag preist Köln als „soziale, inklusive und weltoffene Stadt“. Ein Großteil der Patenkinder, Patinnen und Paten des Kölner Kreidekreises lebe hier, heißt es weiter. Der Grußtext des Kreidekreises schließt mit den Worten: „Wir sind stolz, im Geiste der Stadt Köln und ihrer Werte zu wirken und damit ein Stück zu diesem besonderen Gemeinschaftsgefühl beizutragen.“
Das Team des Kölner Kreidekreises nimmt den Ehrenamtspreis „KölnEngagiert 2025“ entgegen
Das vierköpfige Team des Kölner Kreidekreises freut sich über die öffentliche Anerkennung und ein Preisgeld von 3000 Euro für sein Projekt. Links im Bild Dr. Ralf Heinen, der als ehrenamtlicher Bürgermeister und Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses der Stadt Köln die Laudatio auf den Verein hielt. Daneben Ute Wiedemeyer, Harriet Gehring, Sabine Krieger und Thomas Preuß vom Kölner Kreidekreis (v. l.). (Bild: Peter Nierhoff)
Das Team des Kölner Kreidekreises – Sabine Krieger, Ute Wiedemeyer und Thomas Preuß – mit Janine Kunze, Ehrenamtspatin der Stadt Köln (von links)
(c) für alle Gruppenfotos: Peter Nierhoff (4)
Ute Wiedemeyer trägt sich ins Gästebuch der Stadt Köln einSabine Krieger trägt sich ins Gästebuch der Stadt Köln einHarriet Gehring trägt sich ins Gästebuch der Stadt Köln einDie Preisverleihung fand im Historischen Rathaus von Köln stattAuf der Bühne am Schokoladenmuseum wurden noch einmal alle Preisträger öffentlich vorgestellt
Unter dem Motto „Starke Teams – ein Tag für alle!“ haben wir am 13. Juli unser Sommerfest gefeiert, das als Projekttag von der AktionMensch gefördert wurde. Über 80 Kinder, Jugendliche und Careleaver, Patinnen und Paten sowie Hauptamtliche aus den Wohngruppen waren nach Bergisch Gladbach gekommen, um gemeinsam einen schönen Tag zu verleben. Besonders Martin der Zauberer hat alle in seinen Bann gezogen.
Passend zum Motto gab es zahlreiche teambildende Spiele, bei denen Schnelligkeit und Geschick gefragt waren: Es war ein Eierlauf-Parcours zu bewältigen, es mussten Flip-Flops über den eigenen Rücken in Hula-Hoop-Reifen geworfen sowie Bälle auf Rollladen-Lamellen über mehrere Hände und Leisten in einen Eimer balanciert werden. Besonders spaßig waren die Pantomime-Station und der „Candy Crush“, an dem die Kinder Zuckerwürfel, die aus einem Rohr fielen, im richtigen Moment mit einem Hammer treffen mussten.
Das Highlight neben der Spiele-Olympiade war Martin der Zauberer, der aus Niederkassel-Rheidt zur Grillhütte in Bergisch Gladbach gekommen war und den Zuschauern einen magischen Nachmittag bereitete: Er verbog einen Teelöffel, zauberte mit einem (oder waren es mehrere?) Seil(en) und farbigen Tüchern und erwies sich als Entfesselungskünstler, als er mühelos seine Ketten und Handschellen ablegte, die ihm einige Kinder auf den Rücken gebunden hatten.
Fast schon Tradition hatte unsere Kunst-Aktion, die in diesem Jahr von Sandra Johnston angeleitet wurde: Mit viel Freude bemalten und verzierten die teilnehmenden Kinder, Jugendlichen und Careleaver – ebenfalls als starkes Team – eine große Leinwand, die mit Kreppband in einzelne Parzellen unterteilt war. Erst Tage nach dem Trocknen wurden im Vereinsbüro die Kreppbänder abgezogen, so dass das Kunstwerk in seiner vollen Pracht erschien (siehe Bilder unten).
Danke an Sandra und überhaupt an alle, die bei den Spielen, an den Ständen und vorab in ihren Küchen durch Zubereitung von leckeren Salaten, Kuchen oder Muffins zum reichhaltigen Buffet beigetragen haben, das übrigens diesmal um Hot-Dogs und alkoholfreie Cocktails ergänzt wurde.
Für Patenschaften mit Kindern und Jugendlichen in Heimen
Niederkassel/Königswinter, Juli 2025. Das Gymnasium am Oelberg, Königswinter-Oberpleis, hat dem Kölner Kreidekreis e. V. mit Sitz in Niederkassel-Rheidt einen Scheck über 4.301,62 Euro überreicht. Die Summe stammt aus dem diesjährigen Sponsorenlauf der Schule, der von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern der Oberstufe organisiert wurde. Die symbolische Spendenübergabe fand am letzten Schultag vor den Sommerferien im Gymnasium statt.
Ute Wiedemeyer, Geschäftsführerin des Kölner Kreidekreises, zeigte sich sehr dankbar für das Engagement aller Beteiligten: „Die Spende hilft uns sehr bei der weiteren Finanzierung unseres Projekts, in dem wir ehrenamtliche Patenschaften für Heimkinder im Rheinland vermitteln.“ Denn jeder junge Mensch verdiene es, von der Gesellschaft gesehen und nicht allein gelassen zu werden. Wiedemeyer wandte sich mit ihren Dankesworten direkt an die Schülerschaft: „Ihr seid nicht nur mitgelaufen, sondern für andere gelaufen. Das kann man gar nicht hoch genug bewerten. Solange sich junge Menschen wie ihr auf diese Weise für andere einsetzen, mache ich mir um die Zukunft und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft keine Sorgen!“
Schulleiter Dr. Michael Fröhlich äußerte sich stolz über den Einsatz der Schülerschaft: „Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Herzblut unsere Schülerinnen und Schüler bei der Sache waren – sowohl auf der Laufstrecke als auch in der Organisation. Dass wir mit dem Erlös gleich zwei wertvolle Initiativen unterstützen können, macht das Ganze umso bedeutungsvoller.“
Insgesamt kamen beim Sponsorenlauf 24.523,56 Euro zusammen. Ein weiterer Verein erhält denselben Betrag wie der Kölner Kreidekreis; der verbleibende Rest fließt in die Klassenkassen sowie in die Anschaffung einer modernen Musikanlage für die Schule.
Der Kölner Kreidekreis betreut derzeit über 60 Patenschaften mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Wohngruppen unter anderem in Königswinter und weiteren Städten im Rhein-Sieg-Kreis, in Köln und in Bonn leben. Viele dieser jungen Menschen haben außerhalb ihrer Einrichtung keine feste Vertrauensperson. Die Wegbegleiter-Paten verbringen regelmäßig Zeit mit ihren Patenkindern und stehen ihnen langfristig zur Seite. „Unsere Ehrenamtlichen ersetzen damit ein Stück weit die Familien, zu denen die Kinder und Jugendlichen keinen Kontakt mehr haben“, sagt Wiedemeyer. Auch die Patinnen und Paten kommen aus der Region. „So ist sichergestellt, dass sich die Paten-Tandems etwa alle zwei Wochen treffen können“, erläuterte sie bei der Spendenübergabe. Auf diese Weise könnten verlässliche, vertrauensvolle Beziehungen wachsen.
Ute Wiedemeyer, Geschäftsführerin des Kölner Kreidekreises (4. von links), bei der symbolischen Scheckübergabe im Gymnasium am Oelberg am letzten Schultag vor den Ferien. Den Scheck übergibt ihr der frischgebackene Abiturient Leo Zensen. Rechts im Bild Schulleiter Dr. Michael Fröhlich, links der stellvertretende Schulleiter Ingo Küll. (Bild: Gymnasium am Oelberg)
Für Patenschaften mit Kindern und Jugendlichen in Heimen
Niederkassel, Mai 2025. Der Kölner Kreidekreis e. V. mit Sitz in Niederkassel-Rheidt hat einen der Ehrenamtspreise NRW gewonnen. Die feierliche Preisverleihung fand am 22. Mai in Düsseldorf statt. „Ehrenamtliche stärken das Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, würdigte Dr. Stephan Keller, Schirmherr und Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, alle Preisträger. „Damit machen Sie unsere Gesellschaft insgesamt reicher. Wir wollen Sie alle heute für Ihr Engagement feiern!“
Der Kölner Kreidekreis wurde für sein Patenschafts-Projekt mit Platz 3 in der Kategorie „Jugend“ ausgezeichnet: Ehrenamtliche Patinnen und Paten des Vereins begleiten in ihrer Freizeit Kinder und Jugendliche, die im Rheinland in Heimen leben. Viele dieser jungen Menschen haben außerhalb ihrer Einrichtung keine Vertrauensperson. Die Wegbegleiter-Paten treffen sich regelmäßig mit ihnen, verbringen gemeinsame Zeit und stehen ihnen langfristig zur Seite. „Unsere Ehrenamtlichen ersetzen damit ein Stück weit die Familien, zu denen die Kinder und Jugendlichen keinen Kontakt mehr haben“, erklärte Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer anlässlich der Preisübergabe.
Der Ehrenamtspreis NRW wurde in diesem Jahr zum achten Mal vom Verband engagierte Zivilgesellschaft in NRW e. V. (VEZ) vergeben, um das Ehrenamt in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. In diesem Jahr gingen über 190 Bewerbungen ein; Preise wurden in sechs Kategorien vergeben – von Bildung über Dialog, Einsatz für Geflüchtete, Einwanderer und Minderheiten bis hin zu Frauenpower, Kunst & Kultur und eben Jugend. Wie alle anderen Preisträger des Ehrenamtspreises, erhielt auch der Kölner Kreidekreis eine Trophäe und eine Urkunde.
Bild oben: Der Kölner Kreidekreis war mit einem sechsköpfigen Team zur Preisverleihung nach Düsseldorf angereist. Fünf ehrenamtlich Engagierte wurden von Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer begleitet (zweite von rechts).
Was bedeutet es, beim Kölner Kreidekreis eine ehrenamtliche Patenschaft für Kinder oder Jugendliche zu übernehmen, die im Rheinland in Heimen leben?
APRIL 2025. Am ersten Online-Info-Abend des Kölner Kreidekreises am 7. April nahmen 35 Interessierte teil, die sich vorstellen können, junge Menschen über viele Jahre zu begleiten: Viele schalteten sich aus Köln und Bonn zu, einige kamen aus den linksrheinischen Städten Euskirchen und Bornheim, die meisten aus dem rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis: aus Niederkassel, Königswinter, Siegburg, Sankt Augustin, Hennef, Lohmar, Neunkirchen-Seelscheid und Eitorf.
Kreidekreis-Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer und Projektleiterin Elena Stuffer präsentierten uns und unsere Arbeit. Vorstand Thomas Preuß machte sich parallel daran, die Fragen im Online-Chat zu beantworten.
Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer
Der Kölner Kreidekreis ist ein Träger der freien Jugendhilfe mit aktuell 160 Mitgliedern. Zielgruppe des Vereins sind Kinder und Jugendliche im Alter von etwa 5 bis 27 Jahren, die außerhalb ihrer Wohngruppe niemanden haben, dem sie sich anvertrauen können. Diesen Kindern vermitteln wir seit fast 20 Jahren ehrenamtliche Wegbegleiter-Patinnen und -Paten, die sie regelmäßig treffen, die etwas mit ihnen unternehmen und langfristig für sie da sind – und damit ein Stück weit einen Ersatz für die fehlende Familie darstellen.
Wie viel zeitlichen Bedarf sollte man als Pate oder Patin mindestens einplanen?
Wir erwarten, dass die Paten und Patinnen sich ungefähr alle zwei Wochen Zeit für ein Treffen nehmen. Anfangs dauert das vielleicht ein paar Stunden, später einen halben Tag oder auch mehr, wenn es für beide Seiten passt. Wenn sich die Patenschaft langsam festigt, können die Kinder auch übers Wochenende bei der Patin oder dem Paten bleiben, wenn alle Beteiligten einverstanden sind: Kind, Bezugserzieher/in, der Vormund bzw. die Person, die das Sorgerecht hat, und Pate oder Patin.
Wie sehen die Treffen mit den Patenkindern normalerweise aus? Gibt es einen Unterschied zwischen Patenschaften mit Kindern und mit Careleavern?
Bei kleineren Kindern ist der Beziehungsaufbau am Wichtigsten, hier heißt es wirklich: einfach da sein, sich regelmäßig und zuverlässig treffen, alltägliche Dinge unternehmen. Kinder wünschen sich typischerweise jemanden zum Spielen, Kochen, Schwimmen, Reiten, Spazieren oder Eis essen. Man kann auch kleinere Ausflüge unternehmen oder Filme schauen.
Careleaver dagegen haben eher mehr spontanen Gesprächsbedarf und benötigen Unterstützung im Alltag. Je nachdem ist den älteren Jugendlichen der Zwei-Wochen-Rhythmus nicht so wichtig; dafür telefoniert man vielleicht zwischendurch öfters mal, allein schon, damit sie sich nicht so einsam fühlen, was nach dem Auszug aus der Wohngruppe leider häufig der Fall ist.
Könnt Ihr noch mal den Unterschied zwischen Pate, Patenkind und Careleaver erklären?
„Patenkinder“ sind für uns alle jungen Menschen im Alter von etwa 5 bis 27 Jahren, die in einer Einrichtung wohnen und eine Patin oder einen Paten suchen oder haben. „Paten“ sind die ehrenamtlich tätigen Erwachsenen, die die Kinder oder Jugendlichen begleiten. „Careleaver“ sind die jugendlichen Patenkinder im Alter ab 16 Jahren, die bald aus ihrer Wohngruppe ausziehen müssen oder schon ausgezogen sind.
Kann es hilfreich sein, wenn ich als Patin bei der Wohnungs- oder Arbeitsplatzsuche unterstütze?
Auf jeden Fall! Bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die ihre Wohngruppe irgendwann verlassen oder schon verlassen haben (also den „Careleavern“), kann man bei schulischen Dingen oder der Ausbildungsplatzsuche unterstützen, bei der Haushaltsgründung oder Wohnungsfindung. Aber auch hier ist der zuverlässige Kontakt wichtig, vor allem, um der oben angesprochenen Einsamkeit vorzubeugen, die leider viele Careleaver trifft.
Sollten die Treffen vorzugsweise am Wochenende stattfinden, oder auch unter der Woche?
Das sprecht Ihr mit den Kindern und der Einrichtung ab. In den meisten Fällen eignet sich das Wochenende eher.
Der Verein ist Träger der freien Jugendhilfe. Inwiefern ist das Jugendamt in die Vermittlungen bzw. die Patenschaft involviert?
Das Jugendamt, der Vormund oder Sorgerechts-Tragende muss einer Patenschaft aktiv schriftlich zustimmen. Ohne diese Zustimmung kann keine Patenschaft zustande kommen.
Elena Stuffer, Projektleiterin Patenbetreuung
Wir sind mehrmals im Jahr für mehrere Wochen im Ausland. Wie sinnvoll ist es da, eine Patenschaft zu übernehmen? Können wir das als Paar gemeinsam machen?
Wenn Ihr nur die „übliche“ Urlaubsreise meint, ist das kein Problem. Wenn Ihr aber einen zweiten Wohnsitz im Ausland habt und dort übers Jahr mehrere Monate verbringt, in denen Ihr das Kind nicht treffen könnt, wird es vermutlich schwierig und würden wir von einer Patenschaft eher abraten. Paare können auch gemeinsam eine Patenschaft übernehmen.
Ich habe ein 11 Jahre altes Kind. Passt das grundsätzlich zu einer Patenschaft?
Meistens ja. Wir berücksichtigen das bei der Auswahl des potenziellen Patenkindes.
Werden die Kinder/Jugendlichen in die Entscheidung über den Paten einbezogen oder entscheiden das die Betreuer/Sozialarbeiter/das Jugendamt?
Bei jüngeren Kindern sind es oft die Bezugserzieher/innen in den Wohngruppen, die an uns herantreten mit der Frage, ob wir für Amalia oder Benito einen Paten oder eine Patin haben. Ältere Jugendliche kommen auch schon mal von sich aus auf uns zu. In jedem Falle müssen es aber beide Parteien wollen. Sowohl die Kinder als auch die potenziellen Paten erhalten dann zunächst Kurzinfos zu der jeweils anderen Person, die wir empfehlen würden. Anschließend lernen sich beide zusammen mit uns und den Betreuern kennen. Und am Ende müssen natürlich beide mit dieser Patenschaft einverstanden sein, sonst kommt sie nicht zustande.
Wir haben kein Auto. Ist das ein Problem?
Mobilität ist wichtig, ein Auto nicht unbedingt. Wir würden dann schauen, ob es in der Nähe ein Kinderheim (Wohngruppe) gibt, das für ein Kind einen Paten sucht. Viele Patinnen und Paten fahren mit Bus und Bahn, das klappt meistens gut. Egal mit welchem Verkehrsmittel, man muss in der Regel mit circa 30 bis 45 Minuten Fahrzeit rechnen.
Gibt es eine sinnvolle Altersbegrenzung für die Paten?
Eigentlich nicht. Am „unteren Ende“ der Altersspanne solltest Du Deine Ausbildung abgeschlossen haben und irgendwo sesshaft geworden sein. Am oberen Ende solltest Du Dich noch fit genug fühlen, um dieser Aufgabe vielleicht für 10 bis 15 Jahre gewachsen zu sein.
Werden die Paten über spezielle Bedürfnisse der Kinder, Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen informiert?
Auf jeden Fall. Besonderheiten, Behinderungen, regelmäßig zu nehmende Medikamente oder sonstige Auffälligkeiten werden vorher besprochen.
Welche Themen werden im Rahmen des Onboardings aufgegriffen?
Wir bereiten die Patinnen und Paten sehr umfassend auf ihre spätere ehrenamtliche Tätigkeit vor. Im zweiteiligen Einstiegsseminar reflektieren die Teilnehmer zunächst die eigenen Erfahrungen, Hoffnungen, Erwartungen und Ängste. Wir erklären unsererseits in groben Zügen das System der Jugendhilfe und legen dabei einen Schwerpunkt auf die Brüche und Traumata, mit denen die Kinder und Jugendlichen in ihrem Leben oft fertig werden müssen – denn die Patinnen und Paten sollen gut darauf vorbereitet sein, was einen in der Patenschaft alles erwarten kann.
Werde ich als Pate auch Mitglied im Verein?
Das ist zwingend, da Ihr als Pate oder Patin ja in gewisser Weise den Kölner Kreidekreis nach außen vertretet. Der Jahresbeitrag beträgt aktuell 60 Euro für Erwachsene. Ihr seid über den Verein auch bei Unternehmungen mit den Patenkindern versichert.
Nehme ich das Kind dann zu meiner Familienweihnachtsfeier mit? Wie weit geht die Einbindung in die Familie?
Das ist möglich, aber wird nicht erwartet. Du entscheidest das zusammen mit Deiner Familie, dem Kind und den Bezugserziehern oder -erzieherinnen.
Könnte es sein, dass das Patenkind außerhalb von dem Gebiet umzieht? Zum Beispiel nach Hamburg?
Das ist theoretisch denkbar, aber sehr unwahrscheinlich. Im Kindesalter kommt so etwas eigentlich nie vor, nach der Pubertät vielleicht schon. Wahrscheinlicher sind Umzüge in der Region, zum Beispiel von Bonn nach Köln, von Rösrath nach Bergisch Gladbach oder ähnlich. Dabei ändert sich zwar der Ort, aber meistens nicht die Fahrtzeit für die Paten.
Suchen Sie auch Paten für Kinder/Jugendliche mit besonderen Beeinträchtigungen/Behinderungen?
Ja. Wir suchen für junge und ältere Kinder, für „normale“ und körperlich oder geistig leicht eingeschränkte, aber nicht für Pflegefälle. Für Deutsche genauso wie für Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Für weitere Informationen stehen wir unter info@koelnerkreidekreis.de oder telefonisch unter 02208-911705 gerne zur Verfügung.
Die 24-jährige Tamara hat seit dreizehn Jahren eine ehrenamtliche „Patentante“, die ihr vom Kölner Kreidekreis vermittelt wurde. Was ihr die Patenschaft beim Erwachsen-Werden bedeutet hat, erzählt sie uns in diesem Interview.
Tamara, kannst Du uns kurz berichten, wann und warum Du in ein Kinderheimgekommen bist?
Meine Eltern haben sich getrennt, als ich vier Jahre alt war. Mit meiner Mutter bin ich aus der Schweiz nach Deutschland gezogen, da war ich zehn Jahre alt. Mit ungefähr zwölf Jahren kam ich in ein Kinderdorf, weil meine Mutter nicht mehr weiterwusste.
Wie hat sich dann der Kontakt zum Kölner Kreidekreis ergeben?
Meine Kinderdorfmutter hat mir das vorgeschlagen: Sie meinte, eine Art Patentante, die ich regelmäßig treffen könnte, wäre eine gute Unterstützung für mich. Der Kreidekreis hat mir dann Corina vorgestellt, die zu einem ersten Besuch zu mir ins Kinderdorf kam. Sie war bei unserem ersten Treffen schwanger …
War das komisch für Dich?
Nein, gar nicht. Ich fand das toll, denn ich war Einzelkind und wollte immer Geschwisterhaben. Inzwischen hat meine Patentante zwei Kinder – und ich bin ein richtiger Teil derFamilie geworden.
Das Interview gibt es auch hier als Video:
Wie oft habt Ihr Euch getroffen, washabt Ihr so gemacht?
In den ersten Jahren teilweise jede Woche, mindestens alle zwei Wochen. Wir haben ganz normale Sachen gemacht: Ich hab sie zu Hause besucht, wir haben geredet, Gesellschaftsspiele gespielt. Manchmal sind wir zum Bäcker und haben Kuchen gegessen, ein anderes Mal waren wir im Zoo.
Wir haben auch Stadtfeste und Weihnachtsmärkte besucht, sind zum Beispiel im Siebengebirge gewandert und haben den Drachenfels bestiegen. Was man halt in einer richtigen Familie so macht.
Hat Dich Deine Patentante auch in der Schule und Ausbildung unterstützt?
Ja! Corina hat schon früh mit mir Schulaufgaben gemacht und mich ermutigt, den Realschulabschluss und danach das Fachabitur zu machen. Späterhat sie mir bei Bewerbungen geholfen. Durch ihre Hilfe habe ich sehr viel geschafft. Heute arbeite ich in einer kardiologischen Praxis und stehe auf eigenen Beinen.
Und inzwischen bist Du verheiratet …
Seit ungefähr einem Jahr, das macht mich sehr glücklich. Es ist das eingetroffen, was ich mir als Kind immer gewünscht habe: eine eigene richtige Familie. Auch wenn wir jetzt selbst noch keine Kinder haben, aber wir sind ja noch jung …
Was war Deine schönste Erfahrung in der Patenschaft?
Definitiv Weihnachten! Für Kinder ist das ja das schönste Fest. Als ich klein war, war Weihnachten für mich nicht so toll. Aber bei meiner Patentante, die an Heiligabend Geburtstag hat und immer viele Leute einlädt, fühlte und fühle ich mich im Rahmen dieser Feiern immer willkommen und superwohl.
Würdest Du selbst vielleicht auch einmal ein Patenkind übernehmen?
Das kann ich mir gut vorstellen. Jedes Kind hat es doch verdient, Liebe und Unterstützung im Leben zu bekommen. Das Leben hat viele Hürden, aber mit einer Patenschaft wird vieles leichter!
Unsere Patenkinder dürfen sich ja vor Beginn einer Patenschaft immer ausmalen, wieder Pate oder die Patin so sein soll. Wie hast Du Dir Deine Patin vorgestellt?
Ich wollte eine Frau haben und hab mir am Anfang gewünscht, dass sie eine große Familie und Kinder hat – und dass sie musikalisch ist. Ich habe als Kind supergern Klavier gespielt, und wie es der Zufall wollte, spielt auch der Mann meiner Patentante Klavier. Er hat mir viel gezeigt.
Wie häufig siehst Du Deine Patentante heute noch?
Nicht mehr so oft wie früher, und wir telefonieren auch nicht mehr jeden Tag. Aber der Kontakt ist weiterhin da, ich kann sie immer anrufen, und sie war natürlich auch auf meiner Hochzeit. Ich glaube, wenn eine Patenschaft einmal gefestigt ist, wird sie nie zu Ende gehen.
Vielen Dank, liebe Tamara, für die tollen Einblicke in Eure Patenschaft!