Am Samstag, den 15. Februar 2025, nahm ein buntes Team des Kölner Kreidekreises an einer besonderen Veranstaltung teil: Der Verein Loss mer singe e. V. hatte ins Zimmermanns in Bickendorf eingeladen. Anlass war, dass der Kölner Kreidekreis einer von fünf begünstigten Vereinen war, für die Loss mer singe im Rahmen der Aktion „Singe för Jod“ die Eintrittsgelder der Mitsingabende spendet. Unterstützt werden Institutionen und Personen, die wiederum direkt mit ihren Möglichkeiten am Puls des Geschehens sind und unmittelbar dort ansetzen, wo Hilfe dringend nötig ist.
Mit guter Laune und Kreidekreis-Schild machte sich das Vereins-Team auf den Weg nach Bickendorf – mit buntem Hut und lustigem Kostüm. Und als an der Eingangstür jemand strahlend fragte: „Seid Ihr der gute Zweck?“, da stand sogleich das Motto fest, unter dem der Kreidekreis an dieser tollen Veranstaltung teilnahm.
Es wurde gelacht, viel gesungen und geschunkelt. Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer stellte kurz die Arbeit des Kölner Kreidekreises und freute sich sehr, dass sich gleich zwei Patenschafts-Interessierte meldeten. Denn der Verein sucht dringend ehrenamtliche Patinnen und Paten für Kinder in der stationären Jugendhilfe, die keinen regelmäßigen Kontakt zu Erwachsenen außerhalb ihrer Wohngruppe haben.
Bei der Abstimmung zum „Karnevalslied 2025“ gewann Kempest Finest mit dem Lied „Wenn et Leech usjeiht“. Gewonnen haben auch die glücklichen Teilnehmer, denen jeweils zwei Karten für drei unterschiedliche kölsche Konzerte zugelost wurden.
Gemeinsam Gutes tun, gemeinsam singen und fröhlich sein – eine tolle Botschaft im Februar 2025! Übrigens kamen bei der Aktion für alle fünf guten Zwecke jeweils 3.000 Euro an Eintrittsgelder-Spenden zusammen!
Traditionell richten wir an einem Sonntag im Januar unseren Neujahrsempfang aus. Diesmal fand er am 26. Januar statt, und zwar wieder in der Burg Wissem in Troisdorf. Rund 35 Mitglieder, Freunde und Interessierte fanden den Weg in den hübschen Raum Wahner Heide, der gelegentlich für Ausstellungen genutzt wird.
Der Vorsitzende, Thomas Preuß, gab in der kleinen Matinee einen Rückblick über das 2024 Erreichte sowie einen Ausblick auf das, was wir in diesem Jahr vorhaben. Die Meilensteine des vergangenen Jahres waren aus Sicht des Vereins das großartige, bunte Sommerfest, die drei Ausflüge für Patenkinder und ihre Wegbegleiter sowie die Workshops für Careleaver, die wir zu den Themen Finanzen und Wohnen sowie Bewerbungen/Jobsuche angeboten hatten. Sie werden übrigens von der Aktion Mensch gefördert.
Beim Ausblick machte der Vorstand deutlich: „Wir werden auch in diesem Jahr allem voran weiter erfolgreich Patenschaften vermitteln – und müssen dafür weitere Spenden- und Fördergelder einwerben!“ Gleich am nächsten Tag ging dann sogar eine großzügige Spende aus dem Kreise der Anwesenden auf unserem Konto ein, über die wir uns sehr gefreut haben. Herzlichen Dank an dieser Stelle!
Anschließend wurden wir von der Musikschule Niederkassel mit mehreren kleinen musikalischen Aufführungen beglückt. So spielten Noelia Incertis Jarillo an der Querflöte und ihr Vater an der Gitarre Stücke von Tilman Susato, Leopold Mozart und Carl Orff. Chaima Tebourski, ebenfalls an der Querflöte, begeisterte an der Seite ihrer Lehrerin Gudula Hufschmidt am E-Piano mit Beethoven und Gluck, und Johannes Bongartz zog an der Gitarre die Anwesenden mit Chet Baker, A.C. Jobim, Willie Nelson und Henry Mancini in seinen Bann.
Nach der Musik griff ganz spontan Raimund Hamacher zum Mikro, der in Köln eine interkulturelle Wohngruppe mit zehn Jungen leitet. Er berichtete von den Brüchen und Traumata der Jugendlichen, ihren kulturellen Hintergründen und ihrem Respekt zum Beispiel vor dem Alter: Viele möchten gern Altenpfleger werden. Einige seiner „Jungs“ würden sich sehr über einen ehrenamtlichen Paten oder eine Patin freuen. Die Anwesenden löcherten ihn noch lange nach seinem Vortrag mit Fragen. Deutlich traten das Interesse und die Bereitschaft zutage, gerade auch jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die hier ohne Familie und ohne Heimat „gestrandet“ sind, auf ihrem Weg in ein glückliches Erwachsenleben zu begleiten.
Interview mit Nils Dornseifer, der über die Friedensdienst-Organisation Eirene ein Jahr lang in den USA einen internationalen Freiwilligendienst leistete. Er sagt, er sei selbstständiger geworden und habe sehr viele neue Erfahrungen gemacht, die ihn sehr bereichern. Eine Idee für alle jungen Leute, die demnächst mit der Schule fertig sind und noch überlegen, was sie danach machen sollen.
Wie kamst du dazu, einen internationalen Freiwilligendienst zu leisten?
Ich bin nach dem Abitur per Interrail durch Frankreich, Italien und Spanien gereist und habe Verwandte in England besucht. Die Zeit im Ausland fand ich sehr cool. Außerdem hatte ich mir zuvor überlegt, ein freiwilliges soziales Jahr leisten zu wollen. Das Angebot von Eirene verknüpfte beides auf beste Weise!
Warum gerade diese Organisation?
Ich fand den gewaltfreien Ansatz dieses Internationalen Christlichen Friedensdienstes und das breite Länderangebot von zehn Ländern auf vier Kontinenten inspirierend. Außerdem wohne ich in Neuwied, wo Eirene die Geschäftsstelle hat. Da lag es nahe, sich das genauer anzuschauen.
Wo warst du letzten Endes und was hast du dort gemacht?
Ich war ein Jahr in den USA, in Little Rock in Arkansas, wo ich bei einem Sommercamp mitgeholfen habe. Dort gibt es auch einen Waldkindergarten und ein Conference-Center für Seminare oder andere Veranstaltungen von sozialen Gruppen. Außerdem betreibt das Camp ein Lagerhaus für die Katastrophenhilfe und eine Warenverteilanlage, bei der Retouren und sonstige Güter von Amazon, Walmart und anderen großen Ketten mit einem sehr hohen Rabatt von durchschnittlich 80 Prozent an Bedürftige verkauft werden.
Kannst Du einmal einen typischen Tagesablauf beschreiben?
Jeder Tag war anders. Dienstags habe ich zum Beispiel im Lagerhaus Pakete inspiziert und verpackt oder im Sharing-the-Goods-Teil die Kunden betreut. An anderen Tagen durfte ich ein bisschen Hausmeister spielen: aufräumen, den Rasen mähen, den Pool reinigen oder Gerätschaften reparieren. Außerdem habe ich viel mit Kindern gearbeitet. Es war super abwechslungsreich.
Nils mit einem Reinigungsroboter am Pool
Wie viele haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende gab es in dem Camp?
Wir hatten zwischen 15 und 20 hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen, die normalerweise von Montag bis Freitag da waren. Außer mir haben dann noch zwei Mitfreiwillige das Team unterstützt. Wir haben auch im Camp gewohnt und waren am Wochenende manchmal dann allein dort.
Welche Erfahrungen haben dich bereichert?
Ich habe sehr viel gelernt. Zum Beispiel hatte ich zu Hause früher kaum mit Werkzeug hantiert, musste im Camp aber das eine oder andere wieder instand setzen. Einmal bin ich mit dem Golf-Cart gefahren, hatte aber vergessen, den Stecker zu ziehen. Der riss also ab, und ich habe mir dann Werkzeug gesucht und das repariert. Diese Selbstwirksamkeit fand ich extrem cool.
Was hast du in deiner Freizeit gemacht?
Ich spiele gern Fußball, hab mir also einen Verein gesucht und bin beim Arkansas Wolves FC gelandet. Die Wölfe spielten in der vierten US-Liga, also semiprofessionell. In Deutschland hatte ich nur in der Kreisklasse gespielt, da war die vierte Liga in Amerika eine ganz andere Nummer: Es gab pro Spiel vier Schiedsrichter, die Kinder kamen nach dem Spiel zu mir und wollten Selfies oder Autogramme …
Mit dem Kanu auf dem Camp-eigenen See …… beim Fußball in der vierten US-Liga …… und vor dem Capitol in Washington D.C.
Gab es kulturelle Hindernisse zu überwinden?
Ich war in den Südstaaten, wo die Uhren anders ticken. Selbst in den Supermärkten trifft man immer wieder auf Leute, die mit Waffen herumlaufen. Das war schon gewöhnungsbedürftig. Aber die Menschen waren alle sehr freundlich und offen, den Austausch fand ich sehr bereichernd.
Gibt es bestimmte Projekte oder Aufgaben, bei denen du das Gefühl hattest, wirklich etwas zu bewirken?
Auf jeden Fall! Ich hatte schon an einigen Stellen den Eindruck, die Welt etwas besser machen zu können. Zum Beispiel fand ich die Arbeit im Lagerhaus sehr sinnstiftend.
Wie darf ich mir die vorstellen?
Es kommen Spenden herein, die als Hilfspakete zum Beispiel für Flüchtlinge oder für Flutkatastrophen gedacht sind. Wir haben die Ware inspiziert, verarbeitet und bei Katastrophen wieder herausgeholt und in das entsprechende Gebiet geliefert. Man sieht, dass man damit direkt helfen kann, und die Unterstützung wird auch wertgeschätzt. Diese Arbeit ist nachhaltig und macht Menschen glücklich – die Betroffenen, aber auch einen selber. Besser geht es eigentlich nicht.
Wie war die Rückkehr für dich?
Schon sehr schwierig. Das ganze Camp ist mir sehr ans Herz gewachsen, ich habe dort wirklich viele tolle Leute kennengelernt. Außerdem habe ich mir ja ein Leben mit bestimmten Routinen aufgebaut: Ich hatte einen sinnvollen Alltag und eine spannende Freizeit, ich habe sogar Kinder im Fußball trainiert, wie ich es zu Hause in Neuwied auch schon getan hatte. Dauerhaft wollte ich dort nicht leben, aber für ein Jahr war es eine perfekte runde Sache.
Wie hast du dich selbst verändert, was hat sich in dir verändert?
Ich denke, ich habe ein Stück weit zu mir selbst gefunden, bin reifer geworden und habe ein eigenes Wesen entwickelt. Zu Hause haben ja die Mitmenschen mit der Zeit ein Bild von einem, dem man dann auch irgendwie entsprechen will. In Little Rock konnte ich dagegen so sein, wie ich wollte. Ich bin heute viel selbstsicherer und selbstständiger. Und ich habe gemerkt: Man muss etwas tun, wenn man etwas erreichen will. Bei mir in der Familie, in Deutschland, war ja irgendwie alles bekannt und geregelt. Aber in den USA musste ich mich erst einmal einfinden und mein Leben selbst organisieren. Dass das gelungen ist, macht mich schon stolz.
Beim Singen von Camp-Liedern
Welche Erkenntnisse hast du noch mitgebracht?
Viel habe ich durch den Perspektivwechsel gelernt: In den USA können sich viele Menschen keine Krankenversicherung leisten und verzichten oft auf Arztbesuche. Auch das Fehlen von Arbeitsrechten auf deutschem Niveau hat mich schockiert. Im Vergleich zu den USA ist das soziale Sicherungsnetz in Deutschland stabiler. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie privilegiert wir sind, und mich gelehrt, die deutschen Sozialsysteme mehr zu schätzen und mich für ihren Erhalt und Ausbau einzusetzen. Auch persönlich habe ich viel gewonnen: Meine Grenzen haben sich verschoben, und ich traue mir jetzt mehr zu. Ich bin selbstbewusster geworden und habe neue Stärken in mir entdeckt.
Haben sich deine Interessen oder Karriereziele durch dieses Jahr verändert?
Ich habe schon immer einen Job im sozialen Bereich angestrebt. So war ich zum Beispiel vier Jahre lang Jugendtrainer im Fußball. Durch das Camp habe ich gemerkt, dass mir soziale Arbeit insgesamt sehr gut gefällt und dass ich gerne international unterwegs bin. Das hat in mir den Wunsch reifen lassen, internationale soziale Arbeit zu studieren. Ich hoffe, dass ich im nächsten Sommer in Schweden damit beginnen kann.
Was würdest du jungen Menschen raten, die einen internationalen Freiwilligendienst anstreben?
Sie sollen sich im Internet auf der Website von Eirene die Auslandsfreiwilligendienste anschauen und Projekte suchen, die zu ihnen passen. Da gibt es ja ganz unterschiedliche Dinge, etwa die Arbeit mit Kindern, mit Obdachlosen oder auch Lobbyarbeit für die unterschiedlichsten Initiativen. Dann schaut man einfach, worauf man Lust hat und bewirbt sich.
Wie lief oder läuft der Bewerbungsprozess bei Eirene konkret ab?
Man muss sich bis Ende Mai 2025 bewerben, wenn man im selben Jahr noch einen Dienst antreten möchte. Ich habe mich zum Beispiel im September vor zwei Jahren beworben und im Oktober die Zusage für den Sommer danach erhalten. Zur Überbrückung habe ich dann gejobbt, um ein eigenes Budget anzusparen. In der Zwischenzeit gab es drei oder vier Online-Info-Seminare von Eirene; außerdem musste ich einen Unterstützerkreis gewinnen, um die Finanzierung von 4500 Euro in Form von Spenden auf die Beine zu stellen.
Was ist, wenn man niemanden findet, um das Spendenziel zu erreichen?
Das ist kein Problem. Einige Freiwillige erhalten weniger Spenden, andere mehr. Insgesamt gleicht sich das bei Eirene aus, so dass niemand aus finanziellen Gründen vom Dienst ausgeschlossen werden muss.
Wie wurdest du danach weiter auf deinen Einsatz vorbereitet?
Für die USA brauchte ich ein Visum. Um dieses musste ich mich in der Botschaft in Frankfurt bewerben und von den Kosten 100 Euro selbst tragen; den Rest hat Eirene übernommen. Im Mai gab es ein Vorbereitungswochenende und im Juli einen zweiwöchigen Kurs für alle Freiwilligen, die in dem Zeitraum Juli/August im globalen Norden einen Freiwilligendienst begonnen haben, das heißt in Europa, Kanada und den USA. Dort wurden zum Beispiel kulturelle und persönliche Themen besprochen.
Welche Kosten kommen auf jemanden zu, der so etwas anstrebt?
Bei Eirene wird eigentlich für alles gesorgt. Ich musste nur den Teilbetrag für das Visum selbst tragen, aber Versicherung, die Flüge, die Wohnung werden übernommen. Dazu gibt es eine Verpflegungspauschale und noch ein Taschengeld. Man kann davon zwar nicht jeden Abend auswärts essen gehen, es reicht aber völlig zum Leben. In dem Camp gab es auch eine eigene Küche, so dass ich sogar noch etwas übrig hatte von dem Geld, das mir zur Verfügung gestellt wurde.
Eirene ist ja eine christliche Organisation. Musst du Christ sein, um solch ein freiwilliges Jahr absolvieren zu dürfen?
Nein, absolut nicht. Eirene ist offen für alle Religionen und Weltanschauungen.
Wie würdest du das Jahr für dich in drei Worte fassen?
Viele – neue – Erfahrungen! Natürlich kann nicht immer alles perfekt laufen, aber selbst, wenn irgendetwas nicht so gut ist, sind die Erfahrungen, die man macht, doch immer wertvoll!
Vielen Dank, lieber Nils, für deinen spannenden Bericht!
Dezember 2024. Seit kurzem sind wir auf dem Spendenportal hiermitherz.de der Sparkasse Köln-Bonn vertreten. Auf der Plattform können Vereine und Initiativen ihre Herzensprojekte vorstellen und auf Spenden hoffen. Dies tun auch wir, indem wir dort Spenden für unsere Wegbegleiterpatenschaften in den Städten Köln und Bonn sammeln. Wir freuen uns über die Aktion der Sparkasse Köln-Bonn und auch über jede und jeden, die oder der dort vorbeischaut.
Mit der Plattform wollen wir unsere Reichweite vergrößern; selbstverständlich könnt Ihr und können Sie uns Spenden weiterhin auch direkt zukommen lassen.
Wenn unsere ehrenamtlichen Wegbegleiterpatenschaften insbesondere in den Städten Köln und Bonn Euer „Herzensprojekt“ sind, dann unterstützt uns gern über hiermitherz.de!
Betrag eingeben, mit dem Ihr unser Projekt unterstützen möchtet, und die Kontaktdaten eintragen. Ihr werdet dann auf die Seite des Zahlungsanbieters weitergeleitet und durch den Bezahlvorgang geführt.
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Für Jugendliche und Careleaver fand am Samstag, den 23. November, ein ganztätiger Workshop zu Ausbildung, Jobsuche und Bewerbungen statt: Wie finde ich den passenden Beruf, was gehört in den Lebenslauf, wie schreibe ich eine Bewerbung?
Die Teilnehmer*innen waren zwischen 17 und 19 Jahre alt und stehen gerade vor dem Start ins Berufsleben. Einige brachten ihre persönlichen Unterlagen mit, zum Beispiel Lebensläufe oder erste Anschreiben, an denen wir dann gemeinsam gearbeitet haben.
Da unser Projekt von der Aktion Mensch gefördert wird, konnten wir diesen Workshop kostenlos für alle Careleaver anbieten.
Wir werden den Workshop auch 2025 wieder mindestens einmal anbieten, ein Termin steht noch nicht fest. Inhaltlich werden wir den Schwerpunkt vermutlich mehr in Richtung Bewerbungen und Bewerbungsgespräch verschieben, da wir hier einen besonders großen Bedarf festgestellt haben.
Wer sich oder Jugendliche aus der von ihm/ihr betreuten Wohngruppe schon einmal vormerken lassen möchte, wende sich bitte an Thomas Preuß (Mailadresse hier verlinkt). Bei ausreichender Nachfrage können wir uns auch vorstellen, den Workshop direkt in Ihrer Einrichtung durchzuführen.
Mitte Oktober veranstaltete der Kölner Kreidekreis seinen zweiten „Runden Tisch: Careleaver“. Thematisch ging es um die Situation von Careleavern im Rheinland – gute Ansätze und Versorgungslücken – sowie den aktuellen Stand unseres von der Aktion Mensch geförderten Patenschafts-Projektes.
„Ich spare an meinem Schlaf“, sagt Charlotte Ernst, pädagogische Mitarbeiterin im Kinder- und Jugenddorf Bethanien in Bergisch Gladbach. Dieses Statement äußerte die Erzieherin im Rahmen des Runden Tisches des Kölner Kreidekreises, der im Oktober im Eltzhof in Porz-Wahn stattfand. Damit verdeutlichte sie anschaulich die Herausforderungen und Folgen des herrschenden Fachkräftemangels in der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Beteiligten des Runden Tisches, der sich mit den Bedarfen von Careleavern befasste, kamen aus Wohngruppen, von Trägergesellschaften, aus dem Paritätischen, der Politik und von Kommunen oder waren selbst Careleaver. In der Runde befand eine Mehrheit, dass das professionelle Personal oft an der Grenze zur persönlichen Ausbeutung arbeite, was nicht gesund sei.
Charlotte Ernst, Kinder- und Jugenddorf Bethanien
Raimund Hamacher
Anja Lehmann, Jugendamt Niederkassel
Heike Jüngling, Sozialdezernentin in Königswinter
„Man muss sich wirklich gut organisieren“, betonte Ernst. Dabei habe die Arbeit mit den Kindern, in ihrem Falle Mädchen in einer Verselbstständigungsgruppe, immer Vorrang vor organisatorischen Dingen. „Zum Teil verzichten wir sogar auf eigentlich wichtige Schulungen“, beklagte sie. Das bestätigte Raimund Hamacher, Teamleiter einer interkulturellen Wohngruppe in Köln-Ostheim. Er befand zudem, eine Teamleitung gerate selbst in der Freizeit häufig noch unter Druck, um zum Beispiel Schichten nachzubesetzen, wenn sich Teammitglieder krankgemeldet hätten.
Anja Lehmann vom Jugendamt Niederkassel sieht auch den kommunalen Bereich, insbesondere den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), vom Personalmangel betroffen. Sie greife gerne auf das Angebot des Kölner Kreidekreises sowie allgemein von Ehrenamtlichen zurück, da hier den Kindern und Jugendlichen Unterstützung weit über die Möglichkeiten der öffentlichen Jugendhilfe hinaus geboten würde, sagte Lehmann: „Die Wegbegleiter-Patinnen und -Paten des Kölner Kreidekreises stellen eine wichtige Konstante im Leben der Kinder dar, die im professionellen Bereich über viele Jahre so gar nicht darstellbar wäre!“ Diese Angebote, auch wenn entlastend, sähen sie und ihre Kolleginnen gleichwohl nur ergänzend, weil es ja immerhin einen gesetzlichen Auftrag gebe, das Kindeswohl in den Mittelpunkt zu stellen.
Doch diesen zu erfüllen, tun sich viele Jugendämter immer schwerer, pflichtete Heike Jüngling bei. Die Sozialdezernentin der Stadt Königswinter unterstrich: „Die kommunalen Haushalte platzen; im Sozialbereich explodieren gerade insbesondere die Kosten für Unterbringungen.“ Es grenze oft schon an ein Wunder, wenn für junge Leute, die ihre Wohngruppe verlassen müssen, überhaupt eine Unterkunft gefunden werden könne. Dabei dürften die Kommunen aus ihrer Sicht in der Kinder-und Jugendhilfe nicht nur aus gesamtgesellschaftlicher Verantwortung, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht am verkehrten Ende sparen: „Frühzeitige Prävention und eine gelingende Integration von Careleavern in die Gesellschaft sparen später viel Geld!“ Dann nämlich, wenn den jungen Menschen der Weg ins Arbeitsleben glückt und sie nicht auf kommunale oder staatliche Transferleistungen angewiesen sind.
Teilnehmer der Runden Tisches 2024 des Kölner Kreidekreises: Samina Imam, Der Paritätische NRW; Ute Wiedemeyer, Geschäftsführerin des Kölner Kreidekreises; Jan Seefeldt, Evangelische Jugendhilfe Godesheim; Katja Broicher-Küster, CJG Hermann-Josef-Haus in Bonn; Lukas Dreesbach, Careleaver e. V.; Heike Jüngling, Sozialdezernentin der Stadt Königswinter; Regina Polkow und Charlotte Ernst, Kinder- und Jugenddorf Bethanien; Anja Lehmann, Jugendamt Niederkassel; Thomas Preuß, Vorstand des Kölner Kreidekreises (von links)
Wie der Weg in die Selbstständigkeit für Careleaver gelingen kann – und wie sehr es dabei auf persönliche, verlässliche Verbindungen ankomme, deutete Charlotte Ernst vom Kinderdorf Bethanien an. Sie räumte ein, dass die Beziehung der Betreuerinnen und Betreuer in den Wohngruppen insbesondere zu etwas älteren Jugendlichen oft leide, weil diese ihre Betreuer nur noch als Kontrollinstanz sähen: „Für persönliche Gespräche bleibt im Alltag oft viel zu wenig Zeit. Dabei wäre eine gute Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen sehr wichtig, damit sie sich auch nach Verlassen der Wohngruppen positiv an die Einrichtung erinnern und bei Fragen auf ihre ehemaligen Betreuerinnen und Betreuer zurückkommen.“ Wenn sie das Gefühl hätten, rausgeworfen worden zu sein, fänden die Jugendlichen ihren Weg in die Selbstständigkeit bei etwaigen Herausforderungen nicht so leicht, wie es der Fall wäre, wenn sie auf eine intakte Beziehung zu einer Betreuerin, einem Paten oder einer Patin des Kölner Kreidekreises zurückgreifen könnten.
Am 28. September waren vier unserer Patenschafts-Tandems bei einem Mitmach-Zirkus in Köln aktiv. Dabei wurden alle anfangs etwas überrascht: 45 Minuten Aufwärmtraining mit Liegestützen, Gymnastik und viel Bewegung gingen dem eigentlichen Programm voraus!
Die Patenkinder und ihre Wegbegleiter-Patinnen und -Paten wurden von Adam Harwig und Lenn Bauer, den beiden Workshop-Artisten, wirklich gefordert. Aber es hat sich gelohnt. Es folgten vielerlei Kunststücke: Balancieren auf einem großen Ball inklusive Wackelteller, Jonglage mit Bällen und Diabolo und sogar Sternen-Kunststücke an der Trapezstange hoch in der Luft!
Jede und jeder durfte am Ende seine Lieblingskunststücke vor dem kleinen Publikum der „Kreidekreisler“ aufführen – und wurde völlig zu Recht von viel Applaus begleitet.
Gefördert wurde unser Projekt von der Sozialstiftung NRW anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Stiftung, wofür wir uns auch an dieser Stelle herzlich bedanken. Die Patentandems hatten einen Tag mit jeder Menge Spaß – der durch eine Snacktasche mit Obst, Weckmann und Süßigkeiten noch abgerundet wurde.
Der Frauenchor Sing Swing im Männer-Gesang-Verein (MGV) 1849 Rheidt hat Ende August ein großes Benefizkonzert zu unseren Gunsten ausgerichtet. Den Besuchern bot sich ein toller musikalischer Nachmittag, an dem neben Sing Swing die Bands „Never too late“ und „What else?!“ spielten. Der Eintritt war frei, großzügige Spenden waren willkommen. Auch die Erlöse des Kuchenverkaufs gingen an uns.
Etwa 180 begeisterte Zuhörer zählten Abteilungsleiterin Dagmar Bürger und Chormitglied Delphine Kurz-Catoire. Die beiden waren es auch, die dann Anfang September im Rahmen ihrer wöchentlichen Chorprobe die Spendensumme verkündeten. Dazu hatten sie Kreidekreis-Vorstand Thomas Preuß sowie unsere Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer ins Roncalli-Haus nach Niederkassel eingeladen.
Schokoladenkuchen in Herzform
Auf dem Tisch stand ein Schokoladenkuchen in Herzform, den Delphine nach und nach mit Kerzen bestückte, bis der volle Sammelbetrag zu lesen war: Unfassbare 3786,25 Euro hat der Frauenchor mit seinem Event für uns eingeworben, was uns bei der Finanzierung unserer Patenschaftsvermittlung sehr hilft. Thomas bedankte sich denn auch mit Freudentränen in den Augen in einer kurzen Rede beim gesamten Chor. Den Kuchen verteilte er noch am selben Abend an so viele haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Vorstände, wie er finden konnte.
Beendet wurde die feierliche Übergabe mit einem Ständchen des Chores, „Je veux“, das die Damen im Wechsel auf Deutsch und Französisch sangen. Wir haben das Video dazu online auf Youtube veröffentlicht (Je veux, hier verlinkt). Für Ute und Thomas war es ein wahres, so dass sie beseelt den Saal verließen – in dem Wissen, dass wir nicht allein sind im Bemühen, möglichst viele Kinder im Rheinland zu unterstützen und zu begleiten.
Reiten, striegeln, Hufeisen bemalen – und Ökosysteme im Glas selbst herstellen: Heimkinder verbringen mit ihren Wegbegleiter-Paten einen Tag mit Pferden
Ende Juni trafen sich etwa ein Dutzend Patenkinder und Paten unseres Vereins zu einem „Tag mit Pferden“ mit den Inhaberinnen Ursula Weishaupt und Thaїs Krings vom Therapiewerk Wermelskirchen. Dort lernten die Teilnehmer die Pferde kennen und machten sich beim Streicheln, Striegeln und Hufe-Auskratzen mit ihnen vertraut.
Beim anschließenden Spaziergang durchs Dorf, über die Felder und durch den Wald saßen manche Jugendlichen zunächst etwas unsicher im Sattel, andere waren schon „alte Hasen“, denen man ihre Reit-Erfahrung ansah. Die erwachsenen, ehrenamtlichen Wegbegleiter-Patinnen und -Paten liefen nebenher, führten die Pferde oder hielten die Hunde an der Leine.
Auf einer Pferdekoppel
Normalerweise treffen sich die Patenkinder, die außerhalb des Kinderheimes keinen zuverlässigen Familienanschluss mehr haben, mit ihren Paten etwa alle zwei Wochen im kleinen Kreis, um etwas Schönes zu unternehmen. Mehrmals im Jahr organisiert der Kölner Kreidekreis verschiedene größere Aktionen, bei denen sich mehrere Patenschafts-Tandems treffen und austauschen können.
Abgeschlossene Ökosysteme im Glas
Neben den tierischen Angeboten gab es eine Bastelaktion, bei der alle ein paar kleine Andenken an den Tag mit nach Hause nehmen durften: Es wurden Stofftaschen gebatikt, Hufeisen bemalt und Traumfänger gebastelt. Eine großartige Idee des Kreativteams um Thaїs Krings war die Herstellung von kleinen, abgeschlossenen Ökosystemen: Im nahegelegenen Wald wurden Stöckchen und Moos eingesammelt, die zusammen mit Sand, Pflanzgranulat und Kohle in Einweckgläser gefüllt wurden. Zum Schluss wurden vorsichtig kleine Sukkulenten eingesetzt und etwas Wasser eingegossen (Sukkulenten sind Pflanzen, die zum Beispiel in ihren Blättern besonders gut Wasser speichern können, wie Kakteen).
Dann wurden die Gläser verschlossen. Wenn alles gut geht, gedeihen die Sukkulenten viele Jahre in den Gläsern, ohne dass diese geöffnet werden müssen: Unter Lichteinwirkung können die Pflanzen Photosynthese betreiben und aus dem im Glas eingeschlossenen Wasser und Kohlendioxid Sauerstoff und Zuckermoleküle herstellen – also wachsen. Das Wasser verdunstet, schlägt sich am Glasrand nieder und „regnet“ wieder nach unten. Alles in allem eine tolle Aktion, die den Teilnehmern viele „Ahs“ und „Ohs“ entlockte.
Junge ReiterinSpaziergang mit PferdenHufe müssen regelmäßig ausgekratzt werdenBastelaktion mit HufeisenAusflug in den WaldMoos und Stöckchen für kleine ÖkosystemeAbgeschlossene Ökosysteme (im Glas)
Eine großzügige Spende haben wir von der Brunata-Metrona GmbH aus Hürth erhalten: Anfang Juni überbrachten uns die Betriebsräte Harald Otto und Holger Marian sowie Personalleiterin Anita Heinrichs einen Scheck über genau 2.643,41 Euro, den unsere Geschäftsführerin Ute Wiedemeyer und Projektleiterin Elena Stuffer freudig entgegennahmen. Die Spende hilft uns sehr bei der weiteren Finanzierung unserer Patenschaftsvermittlung.
Brunata-Metrona ist ein Spezialist für Wärmemessung und -abrechnung in Mehrfamilienhäusern und Gewerbe-Immobilien. Die Beschäftigten des Unternehmens unterstützen seit Jahren vor allem über sogenannte „Restcent-Spenden“ regelmäßig soziale Initiativen. Wer bei der Aktion mitmacht, spendet die kleinen Cent-Beträge, die in seiner Gehaltsabrechnung beim Nettogehalt hinter dem Komma stehen, für einen guten Zweck. Wer zum Beispiel 1234,56 Euro verdient, dem werden automatisch 56 Cent als Spende abgezogen. Pro Monat wird also nie mehr als 99 Cent (0,99 Euro) gespendet, maximal sich das auf knapp 12 Euro im Jahr addieren.
Übergabe des Spendenschecks an den Kölner Kreidekreis an dessen Vereinssitz in Niederkassel-Rheidt: Holger Marian, Ute Wiedemeyer, Elena Stuffer, Harald Otto und Anita Heinrichs (von links)
„Wir haben 750 Mitarbeitende in bundesweit 16 Niederlassungen“, erzählte uns Anita Heinrichs. „Davon beteiligen sich bereits sehr viele an der Aktion, so dass immer eine hübsche Summe zusammenkommt.“
Harald Otto, der Vorsitzende des Betriebsrates, erläuterte, dass die Brunata-Metrona-Geschäftsführung die Spendensumme verdoppeln wollte, sofern die Beschäftigten mindestens 2.000 Euro zusammenbrächten. Weil die Restcent-Summe diesen Betrag absehbar nicht erreichte, rief der Betriebsrat des Unternehmens im Winter noch flugs einen Weihnachtsbasar ins Leben, bei dem selbstgebackene Leckereien verkauft wurden. Der Erlös wurde zum Restcent-Betrag addiert, das Ganze von der Unternehmensleitung verdoppelt, womit in Summe am Ende etwas mehr als 5.200 Euro für zwei gute Zwecke gespendet werden konnten.
Die Belegschaft hatte zwölf Vorschläge für Vereine und Initiativen eingereicht, an die Brunata-Metrona das Geld hätte spenden können. Fünf Vorschläge kamen in die engere Auswahl, über die die Mitarbeitenden dann abstimmten. „Am Ende lagen nur wenige Stimmen zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten“, sagte Holger Marian, der Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. „Daraufhin haben wir im Betriebsrat entschieden, den Betrag zu teilen und beide Vorschläge zu unterstützen.“ Neben dem Kölner Kreidekreis kann sich so noch ein Hospizdienst aus Olpe über eine Brunata-Metrona-Spende freuen.